WalterKoeln hat geschrieben:Ist diese Übersicht von 1984 mit Risser, Alter, Gradzahl und der dazugehörenden Verschlechterungswahrscheinlichkeit vielleicht überholt?
Lt. Minimine (siehe oben) soll Dr. Cheneaus (=Arzt und Erfinder des Cheneau-Korsetts)?? geschrieben haben:
[equote="Quelle:
http://cheneaucor.free.fr/co_ch_bases280406.htm"]Die Begriffe „Knochenalter, Risser Zeichen“ sind obsolete und lästig. Die Skoliose muss davon befreit werden.[/equote]
Nein, das ergibt sich schon aus der Logik und dem normalen gesunden Menschenverstand, wenn man ihn benutzt oder überhaupt besitzt, dass sie nicht überholt sein kann, weil hier von Wahrscheinlichkeiten die Rede ist, basierend auf den Untersuchungen einer Stichprobe von Patienten.
Wenn die Stichprobe repräsentativ ist für eure Tochter, wovon wir denke ich ausgehen können, da es sich um eine Studie aus den USA handelt, deren Bevölkerungsdurchschnitt uns genetisch sehr ähnlich ist und sich in der Ernährungssituation seit 1984 wohl auch nicht viel geändert hat (zumindest was eure schlanke Tochter betrifft), dann ist sie voll und ganz gültig für eure Tochter.
Das würde zu unserem Orthopäden passen, der behauptet Skoliosen treten in der näheren und weiteren Verwandschaft meist nicht nur einmal auf, und Gewicht, Muskelmasse und Geschlecht wären für die Verschlechterungswahrscheinlichkeit eben zusätzlich auch noch wichtig.
Dann fragt ihn doch mal, aus welchen Studien er die Regeln entnommen hat bzw. welche Logik dahinter stecken soll, mit denen er aus solchen Faktoren die Verschlechterungswahrscheinlichkeit genauer bestimmt hat, und lasst euch zeigen, wie er das berechnet.
Die Häufigkeit von Skoliosen in einer Familie macht übrigens eine Aussage darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass man eine Skoliose bekommt. Eure Tochter kann keine mehr bekommen, die hat leider schon eine, die auf alle Fälle einmal progredient gewesen sein muss und mangels vorheriger Diagnosen mit oben angegebener Wahrscheinlichkeit immernoch sein kann.
Dass es Familien gibt, in denen große Skoliosen sich häufen, ist entgegengesetzt der Aussage eures Arztes, eher selten. Große Skoliosen sind in ihren Familien meistens Einzelfälle.
Gewicht: Die meisten Skoliotiker in Behanldung sind schlank wie eure Tochter. Heißt das nun, dass schlanke Menschen besonders dafür prädestiniert sind, progrediente Skoliosen zu entwickeln, oder heißt es vielleicht nur, dass die Skoliosen bei den fülligeren Patienten seltener diagnostiziert werden?
Muskelmasse/Sportlichkeit: Sport ist auf Leistung ausgerichtet. Um die maximale Leistung zu erbringen, nutzt ein Skoliotiker immer bevorzugt skoliotische Bewegungsmuster, weil er da mehr Kraft aufbringen kann. Trainiert man bevorzugt die ohnehin schon stärker ausgebildete Muskulatur, trägt das zu größer werdenden Muskeldybalancen bei.
Sport ist definitiv keine Behandlungsmethode, die Verschlechterungswahrscheinlichkeit wird dadurch nicht positiv beeinflusst, sonst wäre es nämlich eine.
Inwiefern man jetzt aus dem Betreiben von Skoliose schädlichen Sportarten wie Tennis eine positivere Prognose herleiten kann, kann ich auch nicht nachvollziehen. Du? Vielleicht aus der Möglichkeit, die schädliche Sportart aufgeben zu können, während das andere, die sie nicht betrieben haben, nicht können?
Und was das Geschlecht betrifft, neigen Mädchen eher dazu progrediente Skoliosen zu entwickeln als Jungen (deren Skoliosen bleiben häufiger klein). Es wird mit größter Wahrscheinlichkeit aber keine Studie gewesen sein, die auf den Werten von ausschließlich Jungs basiert.
Ja und ob unsere Tochter tüchtig KG macht oder nicht muss doch auch einen Einfluss auf die Verschlechterungswahrscheinlichkeit haben.
Die Zahlen basieren auf unbehandelten Skoliosen. Und eine wirkungsvolle Behandlung sollte auf alle Fälle positiven Einfluss auf die Verschlechterungswahrscheinlichkeit haben, sonst müsste man hinterfragen, warum man diese Behandlung überhaupt durchführt, oder meinst du nicht?
Da sollte es doch dann eine viel genauere und individuelle Diagnose geben können! Da wird nicht nur Zufall im Spiel sein. Ich weiß, wir sind alle Laien, aber ich dachte in so einem Forum sind Leute, die sich mit so grundsätzlichen Fragen auskennen.
Ja, wie du sieht, sind wir ja kompetenter als der Arzt, bei dem ihr wart! Der hat ja nur Kaffesatz gelesen, wenn er mit solchen Argumenten ankommt.
Wenn wir jetzt auf ein Korsett gehen, dann kann sich ja auch sehr viel verschlechtern, wenn unsere Tochter es nicht mehr traegt.
Ja, das sind auch die Regeln der Physik, dass wenn eine Kraft aufhört zu wirken, während es eine andere entgegengerichtete Kraft nicht tut, es zu einer Bewegung kommt.
Trainiert man einseitig die skoliotisch schwächere Muskulatur und erreicht dadurch eine Begradigung, geht diese Begradigung wieder zurück, wenn mit dem Training aufgehört wird und sich die Muskulatur wieder zurück bildet.
Es kommt dann definitiv wieder zu einer Verschlechterung, wenn die Verbesserung nicht durch andere Kräfte aufrechterhalten werden kann.
Wir selbst müssen einfach noch andere Orthopäden aufsuchen und uns selbst überlegen, wem und was wir glauben können. Ja und ein Stück Ungewissheit wird wohl immer bleiben, egal was man macht.
Ja, ich kann die Situation absolut verstehen. Ihr seit halt darauf angewiesen, dass andere Leute für euch denken. Wenn man das nicht selbst kann, bleibt immer Ungewissheit und Abhängigkeit.
Wir selbst hier im Forum sind auch sehr dankbar, dass uns euer Dilemma erspart geblieben ist.