Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

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Radler
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Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

Beitrag von Radler »

Vorbemerkung: bin kein erfahrener Forums-Nutzer, kann also sein, dass dies nicht der richtige Thread für mein Anliegen ist. Sorry, falls das so sein sollte.

Guten Tag allerseits,
ich bin dem Forum beigetreten als Vater eines seit Neuestem von der Diagnose "Skoliose" betroffenen Sohnes, der (das wird Euch evtl. erstaunen) bereits 18 Jahre alt ist.

Die Vorgeschichte mag das erklären. Als Sohn noch klein war, wurde bei ihme eine Hüftfehlstellung festgestellt, allerdings war diese so grenzwertig, dass sie erst nch einigen Monaten bei einer Vorsorge-Untersuchung auffiel. ER bekam eine Spreizhose, die zwr twas verbesserung, aber keine komplette Behebung des Problems mehr bewirkte. Kinderarzt und Orthopäden einigten sich darauf, die weitere Entwicklung abzuwarten und später über eine operative Korrektur zu entscheiden. Dies geschah dann, als er 9 war, und beide Hüften wurden korrigiert. Nach allen danach erfolgten Untersuchungen (so bis er 12 war) sehr erfolgreich und ohne weitere Nebenwirkungen. Ein "geringfügiger" Beinlängenunterschied von 0,7 cm wurde uns als tolerabel und nicht behandlungsbedürftig dargestellt.

Bei weiteren kinderärztlichen Untersuchungen erhielten wir dann zwar Hinweise auf eine "geringfügige" Skoliose, aber wiederum mit dem Hinweis, das da kein Eingreifen nötig wäre (hier setzt das schlechte Gewissen ein, nicht kritischer geesen zu sein...aber gute Nachrichten nimmt man ja gerne). Leider hatten wir keine Ahnnung (und wurden auch nicht in dieser Hinsicht sensibilisiert), dass gerade in der Pubertät eine Verschlimmerung auftreten kann. Und noch bei der letzten "U" (mit 17 Jahren) wurde erneut dieselbe Aussage getroffen. Wir haben ihm die Verkrümmung auch nicht angesehen, denn er hat in den letzten drei Jahren (aus Spaß daran) sehr intensives Krafttraining durchgeführt und sich einen ansehnlich muskulösen Oberkörper erarbeitet, der den Schiefstand gut kaschiert. Selbst jetzt muss ich schon genau hinsehen, um das zu erkennen. Und welcher pubertäre Jugendliche zeigt sich schon gerne nackt, oder steht mal gerade...den einfachen Vorbeugetest kannten wir nicht. Dieser ist aber klar und eindeutig, mit erhöhtem Rippenbuckel auf der rechten Seite.

Eher zufällig ging er dann kürzlich wegen Schulterschmerzen, die beim Training lästig waren, mal zum Orthopäden. Der ließ auch die WS röntgen und schickt ihn dann mit einem Rezept für ein Korsett und Schroth-Terapie nach Hause. Unser Entsetzen kann man sich möglicherweise vorstellen, und seine Verzweiflung wohl auch, als er begriff, was das bedeuten kann.

Wir trösteten ihn damit, dass er einerseits ja keinerlei Schmerzen habe (die Schulterprobleme sind -so der Arzt- nicht dadurch bedingt) und zunächst einmal eine zweite Meinung einholen wollten. Außerdem war u. E. das Rö-Bild nicht wirklich sachgerecht aufgenommen, da das Becken nicht mit abgebildet war und er auch erzählte, dass man zwar an ihm herumgeschoben habe, aber der Beinlängen-Unterschied nicht ausgeglichen wurde. Die sichtbare Kümmung der Lenden-WS, die wir dann mal selbst auf ca. 30 Grad abgemessen haben, könnte also geringer sein.

Heute nun war der zweite Termin bei einem anderen Orthopäden. Dieser hat sich das Rö-Bild (und den Sohn wohl auch genauer) angeschaut und die Verbiegung im unteren Bereich auf 30 Grad, im oberen auf 19 Grad gemessen.
Und einen Beckenschiefstand festgestellt, der sich nur durch 12mm (!) Beinverlängerung ausgleichen lässt.
Eine Therapie (weder Korsett noch Schroth!) hält er jedoch angesichts des Alters und abgeschlossenen Längenwachstums nicht mehr für sinnvoll. Weiterhin die Rückenmuskeln stark halten soll reichen, außerdem soll er probieren, ob er durch einseitig höhere Besohlung das Becken begradigen kann. Unser Sohn hat das natürlich gern gehört...

Somit steht jetzt Facharzt-Meinung gegen Facharzt-Meinung. Und wir etwas ratlos dazwischen. Machen wir nichts, hat er vielleicht bald doch Schmerzen und muss möglicherweise in ein paar Jahren unters Messer; richten wir uns nach der ersten Meinung, quälen wir ihn vielleicht jahrelang nutzlos...

Also, was tun? Noch einen Arzt konsultieren? Sicherheitshalber Schroth-Therapie erlernen lassen (mit dem Gedanken im Kopf, dass "das ja doch nichts bringt" wird seine Motivation dazu nicht hoch sein)? Eine dazu befragte Schroth-Therapeutin war da ebenfalls skeptisch und wird ihm jetzt zunächst mal ein paar Grundübungen zur Haltungskorrektur zeigen. Aber wird das wirklich auf Dauer genügen?

Sinnvoll dürft wohl sein, regelmäßig eine 3D-Licht-Analyse machen zu lassen, um ggf. Verschlimmerungen rechtzeitig feststellen zu können. Dazu müssen wir natürlich ohnehin wieder zu einem weiteren Arzt...

Es wäre nett, wenn sich hier jemand aus dem Kreis der Erfahrenen (und evtl auch von den mitwirkenden Fachleuten) dieser Fragen mal annehmen könnten.

Vielen Dank schon mal für's Lesen des "Romans", aber ich dachte, das ist sinnvoller, als alle möglichen Details erst auf Nachfrage zu liefern.
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Re: Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

Beitrag von Korsi »

Hallo, Radler.

Das Muster deines Sohnes, vor allem die Gradzahlen, erinnern mich sehr an meine anfänglichen Gradzahlen (allerdings war ich bei 20 und 30 Grad 13 Jahre alt).

Die Rückenmuskulatur zu stärken ist auf jeden Fall sinnvoll, allerdings sollte er dabei dann darauf achten, nicht in die Krümmung hinein zu trainieren. (Falls das Sinn macht... Also eher die schwache Seite trainieren, dafür eignen sich auch die Schrothübungen sehr gut. Wenn er sowieso gerne Kraftübungen macht, machen ihm manche der Schrothübungen ja vielleicht auch Spaß, ausprobieren würde ich das auf jeden Fall.)

Korsett mit 18 Jahren ist im Grunde nicht sofort abzulehnen, ich habe mit 16 Jahren abgeschult, allerdings hatte ich auch 4 Jahre lang ein Korsett. Bei 30 Grad kann es sinnvoll sein, ein Korsett anzuschaffen, aber da kennen sich vielleicht einige ältere Leute noch etwas besser aus. Ich kenne mich da eher mit Teenagern aus, aber ein Korsett kann die Gradzahlen um eine ganze Menge verringern! Auch wenn es nervig ist, auf jeden Fall ist eine Korsetttherapie (vor allem bei der geringen Gradzahl!) ratsamer als eine OP!

Dass die Skoliose so lange unbehandelt geblieben ist, ist natürlich ärgerlich, aber besser jetzt anfangen, als später schlimmere Beschwerden zu haben.

Ich hoffe, dass ihr bald eine Lösung findet :)

LG, Dani
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Re: Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

Beitrag von minimine »

Hallo Radler,

erstmal herzlich willkommen. :)

Ich finde es interessant, dass du dich hier anmeldest und nicht dein Sohn. Finde es aber gut, dass ihr als Eltern ihm beisteht. Ich war auch schon erwachsen und war froh, dass mich meine Eltern bei der Behandlung der Skoliose so unterstützt haben (sie sind lange Zeit beide mit mir zusammen nach Stuttgart gefahren). Denke das lag auch viel daran, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, früher nicht so auf die Skoliose geachtet zu haben bzw. dem damaligen Arzt vertraut zu haben.

Ob die Hüftfehlstellung etwas mit der Skoliose zu tun hat, weiß ich nicht. Ich kam auch mit einer leichten Hüftdysplasie zur Welt, wurde aber nur mit Krankengymnastik behandelt. Selbst wenn es etwas damit zu tun hätte, würde es jetzt vermutlich nichts an der Behandlung der Skoliose ändern.
Ein "geringfügiger" Beinlängenunterschied von 0,7 cm wurde uns als tolerabel und nicht behandlungsbedürftig dargestellt.
Hier ist die Frage, ob tatsächlich die Beine unterschiedlich lang sind oder ob dein Sohn einen Beckenschiefstand hat, evtl. sogar bedingt durch die Skoliose.
Der ließ auch die WS röntgen und schickt ihn dann mit einem Rezept für ein Korsett und Schroth-Terapie nach Hause. Unser Entsetzen kann man sich möglicherweise vorstellen, und seine Verzweiflung wohl auch, als er begriff, was das bedeuten kann.
Kann ich mir gut vorstellen. Ist ja schon schlimm, wenn man konkret mit dem Verdacht auf Skoliose zum Arzt geht und dann die Realität noch bestätigt wird, aber wenn man wegen etwas komplett anderem hingeht und dann so überrascht wird, dann stelle ich mir das noch schlimmer vor.
Eine Therapie (weder Korsett noch Schroth!) hält er jedoch angesichts des Alters und abgeschlossenen Längenwachstums nicht mehr für sinnvoll.
Ich denke, dass das ein fataler Fehler wäre, gar nichts zu tun. Erstens wachsen Jungs länger als Mädels, d.h. dein Sohn kann tatsächlich nochmal wachsen. Zweitens ist Wachstum nicht alleine ein Kriterium, eine Skoliose kann sich auch jenseits des Wachstums noch verschlimmern, v.a. Krümmungen über 30°! Deshalb sollte wirklich mit allen Mitteln versucht werden, jetzt noch die Krümmung soweit wie möglich zu verbessern. Ich gehöre auch zu denjenigen, bei denen sich die Skoliose trotz Wachstumsabschluss noch massiv verschlechtert hat. Ich habe auch vom Orthopäden zu hören bekommen, ich sei jetzt ausgewachsen, da tut sich jetzt nichts mehr so schnell. Ich soll halt KG und Sport machen. Dennoch hat sich meine Skoliose von 27° bei Wachstumsabschluss (mit 18 Jahren) auf über 50° mit 22 Jahren verschlechtert. Dann hab ich vom gleichen Orthopäden zu hören bekommen, da würde sich jetzt nichts mehr verbessern lassen, ich sei ja schon ausgewachsen. Auch diese Aussage bestätigte sich nicht, ich bin mittlerweile wieder auf 34° ohne Korsett.
Weiterhin die Rückenmuskeln stark halten soll reichen, außerdem soll er probieren, ob er durch einseitig höhere Besohlung das Becken begradigen kann. Unser Sohn hat das natürlich gern gehört.
Das wird nicht funktionieren. Die Skoliose hat sich durch den Sport deines Sohnes bisher doch auch nicht aufhalten lassen.

Ich weiß nicht, aus welcher Gegend ihr kommt. Ihr solltet unbedingt mal einen Spezialisten aufsuchen. Ich persönlich kann da nur Dr. Hoffmann in Leonberg empfehlen (du wirst hier im Forum sehr viel zu ihm finden), wenn ihr eher nördlich wohnt haben andere User gute Erfahrungen mit Dr. Wilke in Berlin gemacht. Je nachdem welcher näher für euch ist, solltet ihr euch unbedingt dort Gewissheit holen.
LG
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Re: Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

Beitrag von rejoy »

Der ließ auch die WS röntgen und schickt ihn dann mit einem Rezept für ein Korsett und Schroth-Terapie nach Hause.
Das spricht auf jeden Fall für den 1. Arzt und lässt ihn kompetenter wirken als den 2. es gibt nicht viele Orthopäden, die einem 18 - jährigen noch ein Korsett verschreiben und auch nicht viele, die Schroth - kg kennen und ausdrücklich verordnen, obwohl es genügend Fälle gibt, die zeigen, dass da durchaus noch was geht.

Mich würde noch interessieren, ob die Röntgenaufnahmen im Stehen gemacht wurden und ob die komplette WS aufeinmal oder in mehreren Schritten( Teilaufnahmen) geröngt wurde?

Ich würde euch auf jeden Fall auch raten, es mit dem Korsett zu versuchen (auch wenn ich meines selbst erst noch bekomme und noch nicht aus eigener Erfahrung berichten kann - bin aber auch schon 23).
Ich würde raten das Korsett bei Rahmouni Orthopädie in Stuttgart bauen zu lassen. Er hat sehr viel Erfahrung im Korsettbauen gerade bei "älteren" Patienten, obwohl dein Sohn da noch nicht unbedingt dazu zählt.
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Re: Hilfe ersucht...Therapie ja oder nein

Beitrag von Radler »

Hallo

danke an alle, die so schnell geantwortet haben. Ich werde das alles dann mal in einem geeigneten Moment mit meinem Sohn besprechen, und vielleicht meldet er sich dann irgendwann auch selbst. Im Moment denke ich dass er froh ist, dass alles nicht so schlimm zu sein scheint, und wird sich sicherlich sträuben, mehr zu tun als ein paar erste Schritte. Ich will ihm ja jetzt auch nicht unnötig Angst machen. Das Beispiel von minimine ist aber -sowohl was mögliche Verschlechterung angeht als auch mit Blick auf die dann doch erfolgte Verbesserung - da bestimmt sehr instruktiv und hoffentlich hilfreich für die anstehende Diskussion.
Ob der 1. Arzt nun besser leigt als der 2. ist schwer zu sagen. Auch letzterer kannte natürlich Schroth (er wurde uns von der zuvor mal kontaktierten Therpeutin empfohlen).
Das Rö-Bild ist digital und soweit ich das sehe, aus einem Guss.
Wir wohnen im Ruhrgebiet. Als weitere evtl "bessere" Diagnostiker kämen da dann wohl (soweit ich das hier im Forum herausgefunden habe) die Essener Klinik oder Dr. Colemont in Bochum in Frage. Aber natürlich will ich jetzt nicht jeden Monat bei einem neuen Arzt aufrollen (dem würde sich mein Sohn auch sicher verweigern, denn er selbst fühlt sich ja gesund) , daher ist evtl. ein Besuch direkt in Süddeutschland bei Dr. Leonhard am Sinnvollsten.
Oder halt ein Trip nach Berlin (ist ja bei den jungen Leuten ganz hip...)

Ok, soweit erst mal, nochmals danke und Glück auf!
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