Ist das "Post-Scheuermann-Syndrom" eine neue Krankheit?
Verfasst: Mi, 21.05.2014 - 18:34
Liebe DiskutantInnen,
ich habe lange gezögert, hier etwas zu schreiben, aber nunmehr bin ich mit meinem Latein am Ende - NACH einer Schroth-Kur in Bad Salzungen, NACH einem Besuch bei Dr. Hoffmann und Herrn Rahmouni und nach vielen anderen Versuchen.
Kurz zur Ausgangslage: Ich bin 43 Jahre alt und männlich. In der Jugend, irgendwann während oder nach der Pubertät, wurde bei mir Morbus Scheuermann diagnostiziert. Ich hatte bis zu meinem ca. 22. Lebensjahr viel Physiotherapie absolviert (an Unterwassermassagen und Strom kann ich mich noch erinnern). Berufsberatung wurde mir keine zuteil. Auch eine "Langzeitüberwachung" (etwa Ganz-WS-Röntgen alle paar Jahre zur Verlaufskontrolle) wurde mir von meinem damaligen Orthopäden nicht empfohlen. Ich kann mich aber noch erinnern, dass er bei einer Ganz-Wirbelsäulen-Aufnahme den Kyphosewinkel gemessen hat. Laut heutigen in die EDV übertragenen Aufzeichnungen in seiner Praxis lag dieser im Jahr 1993 bei 40 Grad. Die Bilder selbst sind verschollen.
Irgendwann verschwand das Problem nahezu komplett, sowohl kosmetisch als auch was die Schmerzen anbelangt. Der fixierte Hohlrundrücken war natürlich da, aber ich war weitestgehend mobil, konnte jeden Sport betreiben (Skifahren, Fitnesscenter) und hatte keine Schmerzen - nicht einmal nach längerem Sitzen. Ich war mir aber immer der Tatsache bewusst, dass ich "was tun muss". 2005 startete ich etwa mit Kieser Training. So weit, so gut.
Im Jahr 2012 hatte ich einen neuen Job angetreten, bei dem ich acht Stunden täglich vor dem Computer saß (vorher saß ich nie in dieser Intensität am Stück). Nach fünf Monaten ging nichts mehr. Nach 20 Minuten Sitzen wurden Schmerzen sowie Steifheits- und Krummheitsgefühl unerträglich (bei der PC-Arbeit wie beim Autofahren). Parallel zur "Ermüdung" und zunehmenden Einkrümmung der Wirbelsäule bemerkte ich auch einen geistigen Leistungsabfall. Im Sommer 2012 wurde ein Kyphosewinkel von 66 Grad festgestellt (andere Messungen 68 bis 72 Grad) und ein Lordosewinkel von 41 Grad. Diagnose bei Dr. Hoffmann: Ausgeprägte Scheuermann-Kyphose und ausgeprägte Lendenstrecksteife. Im MRT sichbar: Deformiert sind Th9 bis Th12 (im Bericht von 1993 war noch nur von Th11 und Th12 die Rede), Bandscheibendegeneration Th11/12 und L4/5.
Ich war seitdem bei zahlreichen Orthopäden und Physiotherapeuten, auch bei Chefärzten, Oberärzten und Klinikprofessoren. Alle sprachen vom Zustand nach Morbus Scheuermann. Einige gestanden ihre Ratlosigkeit über meinen Verlauf offen ein. Einer sprach vom "schicksalhaften Verlauf". Keiner ging mit der Hypothese mit, dass sich mein Zustand durch langes Sitzen vor zwei Jahren rasch und massiv verschlechtert hatte. Wiederholt hörte ich aber auch von Ärzten, "im Lehrbuch steht das so" oder "das haben wir so gelernt". Sie meinten damit etwa, dass der Morbus Scheuermann nach Wachstumsabschluss nicht weiter fortschreitet oder Korsette im Erwachsenenalter nichts bringen. Nun steht aber selbst in der Wikipedia etwas anderes, und meine Geschichte erzählt doch etwas völlig anderes als die meisten Lehrbücher.
Nun habe ich dazu folgende Fragen:
- Wie kann so etwas nach 20 Jahren passieren? Spricht das nicht eher für eine neue Krankheit(sform), die die Medizin so noch nicht korrekt wahrnimmt? (In Bad Salzungen traf ich mehrere "Leidensgenossen".)
- Warum wurde ich in meiner Jugend nicht eindrücklicher vor solchen Spätfolgen gewarnt? Wenn diese tatsächlich Jahrzehnte nach "absolviertem" Scheuermann auftreten können, müsste man doch heute z. B. jeden jungen "Scheuermannianer" nachdrücklich vor zu langem Sitzen im Erwachsenenalter warnen?
- Was kann ich nun tun? Oder ist das jetzt irreversibel?
Ich würde alles geben, damit meine BWS wieder mobil und weniger krumm wird. Würde mich auch über eine Rückmeldung von Toni freuen - Dr. Hoffmann hat mir empfohlen, mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Die Vorstellung, dass der Rücken nun zunehmend krummer und steifer wird und irgendwann auf Grund der nicht mehr annehmbaren Optik und der Schmerzen operiert werden muss (mit allen möglichen Folgen danach), ist keine erbauliche.
Mein Rahmouni-Korsett wartet noch auf seinen Einsatz. Ich möchte mir vorher auch noch dazu Meinungen hier im Forum anhören. Mich macht doch sehr stutzig, dass nur Dr. Hoffmann via Rahmouni ein Korsett empfiehlt und ALLE anderen Orthopäden davon zum Teil energisch abgeraten haben.
LG
Euer
Stefan
ich habe lange gezögert, hier etwas zu schreiben, aber nunmehr bin ich mit meinem Latein am Ende - NACH einer Schroth-Kur in Bad Salzungen, NACH einem Besuch bei Dr. Hoffmann und Herrn Rahmouni und nach vielen anderen Versuchen.
Kurz zur Ausgangslage: Ich bin 43 Jahre alt und männlich. In der Jugend, irgendwann während oder nach der Pubertät, wurde bei mir Morbus Scheuermann diagnostiziert. Ich hatte bis zu meinem ca. 22. Lebensjahr viel Physiotherapie absolviert (an Unterwassermassagen und Strom kann ich mich noch erinnern). Berufsberatung wurde mir keine zuteil. Auch eine "Langzeitüberwachung" (etwa Ganz-WS-Röntgen alle paar Jahre zur Verlaufskontrolle) wurde mir von meinem damaligen Orthopäden nicht empfohlen. Ich kann mich aber noch erinnern, dass er bei einer Ganz-Wirbelsäulen-Aufnahme den Kyphosewinkel gemessen hat. Laut heutigen in die EDV übertragenen Aufzeichnungen in seiner Praxis lag dieser im Jahr 1993 bei 40 Grad. Die Bilder selbst sind verschollen.
Irgendwann verschwand das Problem nahezu komplett, sowohl kosmetisch als auch was die Schmerzen anbelangt. Der fixierte Hohlrundrücken war natürlich da, aber ich war weitestgehend mobil, konnte jeden Sport betreiben (Skifahren, Fitnesscenter) und hatte keine Schmerzen - nicht einmal nach längerem Sitzen. Ich war mir aber immer der Tatsache bewusst, dass ich "was tun muss". 2005 startete ich etwa mit Kieser Training. So weit, so gut.
Im Jahr 2012 hatte ich einen neuen Job angetreten, bei dem ich acht Stunden täglich vor dem Computer saß (vorher saß ich nie in dieser Intensität am Stück). Nach fünf Monaten ging nichts mehr. Nach 20 Minuten Sitzen wurden Schmerzen sowie Steifheits- und Krummheitsgefühl unerträglich (bei der PC-Arbeit wie beim Autofahren). Parallel zur "Ermüdung" und zunehmenden Einkrümmung der Wirbelsäule bemerkte ich auch einen geistigen Leistungsabfall. Im Sommer 2012 wurde ein Kyphosewinkel von 66 Grad festgestellt (andere Messungen 68 bis 72 Grad) und ein Lordosewinkel von 41 Grad. Diagnose bei Dr. Hoffmann: Ausgeprägte Scheuermann-Kyphose und ausgeprägte Lendenstrecksteife. Im MRT sichbar: Deformiert sind Th9 bis Th12 (im Bericht von 1993 war noch nur von Th11 und Th12 die Rede), Bandscheibendegeneration Th11/12 und L4/5.
Ich war seitdem bei zahlreichen Orthopäden und Physiotherapeuten, auch bei Chefärzten, Oberärzten und Klinikprofessoren. Alle sprachen vom Zustand nach Morbus Scheuermann. Einige gestanden ihre Ratlosigkeit über meinen Verlauf offen ein. Einer sprach vom "schicksalhaften Verlauf". Keiner ging mit der Hypothese mit, dass sich mein Zustand durch langes Sitzen vor zwei Jahren rasch und massiv verschlechtert hatte. Wiederholt hörte ich aber auch von Ärzten, "im Lehrbuch steht das so" oder "das haben wir so gelernt". Sie meinten damit etwa, dass der Morbus Scheuermann nach Wachstumsabschluss nicht weiter fortschreitet oder Korsette im Erwachsenenalter nichts bringen. Nun steht aber selbst in der Wikipedia etwas anderes, und meine Geschichte erzählt doch etwas völlig anderes als die meisten Lehrbücher.
Nun habe ich dazu folgende Fragen:
- Wie kann so etwas nach 20 Jahren passieren? Spricht das nicht eher für eine neue Krankheit(sform), die die Medizin so noch nicht korrekt wahrnimmt? (In Bad Salzungen traf ich mehrere "Leidensgenossen".)
- Warum wurde ich in meiner Jugend nicht eindrücklicher vor solchen Spätfolgen gewarnt? Wenn diese tatsächlich Jahrzehnte nach "absolviertem" Scheuermann auftreten können, müsste man doch heute z. B. jeden jungen "Scheuermannianer" nachdrücklich vor zu langem Sitzen im Erwachsenenalter warnen?
- Was kann ich nun tun? Oder ist das jetzt irreversibel?
Ich würde alles geben, damit meine BWS wieder mobil und weniger krumm wird. Würde mich auch über eine Rückmeldung von Toni freuen - Dr. Hoffmann hat mir empfohlen, mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Die Vorstellung, dass der Rücken nun zunehmend krummer und steifer wird und irgendwann auf Grund der nicht mehr annehmbaren Optik und der Schmerzen operiert werden muss (mit allen möglichen Folgen danach), ist keine erbauliche.
Mein Rahmouni-Korsett wartet noch auf seinen Einsatz. Ich möchte mir vorher auch noch dazu Meinungen hier im Forum anhören. Mich macht doch sehr stutzig, dass nur Dr. Hoffmann via Rahmouni ein Korsett empfiehlt und ALLE anderen Orthopäden davon zum Teil energisch abgeraten haben.
LG
Euer
Stefan
