woran erkenne ich einen guten orthopäden?

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
Antworten
anna blume
Newbie
Newbie
Beiträge: 3
Registriert: Do, 31.05.2007 - 02:02
Wohnort: Wiesbaden

woran erkenne ich einen guten orthopäden?

Beitrag von anna blume »

hallo,

ich bin neu hier, habe ein bisschen im forum gelesen und nun das gefühl, von meiner eigenen erkrankung keinen schimmer zu haben.

ich bin 35, vor 20 oder mehr jahren ist bei mir der m. scheuermann diagnostiziert worden.hab viel krankengymnastik gemacht, irgendwann waren die schmerzen weg, aber die brustwirbelsäule verschoben. ich habe ewig nicht an die erkrankung gedacht. okay, hatte immer verspannungen und häufig kopfschmerzen, aber das war irgendwie normalität. :/

vor sechs wochen im urlaub habe ich meinen koffer einen kilometer vom bahnhof zum hotel hinter mir her gezogen -- über ziemlich holprige wege. zu hause waren sie dann wieder da, diese fürchterlichen rückenschmerzen von damals. ihr kennt das sicher alle - nicht stehen, nicht sitzen, nicht liegen können. die übungen von damals haben auch wirklich wieder geholfen.

am donnerstag habe ich endlich einen termin beim orthopäden, in einer großen gemeinschaftspraxis. ich dachte, da ist die chance größer, auf einen doc zu treffen, der sich mit der erkrankung auskennt. hier lese ich aber, dass es nur sehr wenige gute orthopäden gibt, die wirklich bescheid wissen bei scheuermann.

deshalb meine frage an euch. wie kann ich erkennen, ob sich der orthopäde auskennt? welche untersuchungen sollte er machen? worauf muss ich achten?

wäre klasse, wenn ihr mir ein paar hinweise geben könntet. ;)

den befund von damals habe ich übrigens nicht und weiß auch nicht, ob ihn mein ex-hausarzt noch hat, bei dem ich seit 15 jahren nicht mehr gewesen bin. solte ich versuchen, ihn mir zu besorgen?

danke fürs lesen und für eure antworten

anna
Benutzeravatar
Toni
Profi
Profi
Beiträge: 4388
Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

Beitrag von Toni »

Das wichtigste ist: der Orthopäde nimmt Dich ernst und hört zu!
Dann muß er ein Ganzwirbelsäulenbild ( Achtung! blos keine Teilaufnahmen!!!!) machen lassen oder können. Teilaufnahmen sind ein absolutes K.O.Kriterium für einen wirbelsäulenkompetenten Orthopäden!
Wenn er Einzelbildchen von LWS, BWS und HWS machen will oder gar im Liegen röntgen will, dann mach auf dem Absatz kehrt und flieh mit Lichtgeschwindigkeit aus der Praxis, er ist definitiv NICHT WS-Kompetent!
Solche Aufnahmen sind nicht zum Ausmessen nach Cobb und auch ein Korsettmacher kann mit solchen Aufnahmen nix anfangen, falls es zu einer Korsettverordnung kommen sollte.

Als nächstes muss er einen therapeutischen Ansatz bringen, der über die reine Schmerzsymptomatik hinausgeht.
Alle Orthopäden, die pauschalieren, daß man bei erwachsenen "Scheuermännern & Scheuerfrauen" nix mehr tun kann oder Dich mit Ibu und Diclo vollpumpen, kannst Du in der Pfeife rauchen.

Der Orthopädie-Facharzt muss eng mit einem guten bis hervorragenden Orthopädietechniker mit Ehrgeiz und großer Korsetterfahrung zusammen arbeiten, wenn er an erwachsenen Krummwirbelsäulen (nicht nur an erwachsenen!) Erfolg haben will.
Ein guter WS-Orthopäde kennt Bad Sobernheim und Bad Salzungen, kennt Schroth-Therapie und zögert keine Sekunde eine Reha zu beantragen.
Er sollte Dir auch bis Du die Reha genehmigt bekommst erstmal möglichst viele KG bei niedergelassenen schroth-ausgebildeten Physiotherapeuten verordnen.
Ein wirklich guter Orthopäde schaut sich auch den "Rest" des Körpers an, von Füße über die Hüfte bis zur Kopf- und Kieferstellung.
Aber diesen Orthopäden auf Anhieb zu finden, das wäre wie eine 6 im Lotto....
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Benutzeravatar
Klaus
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 15281
Registriert: Mi, 23.06.2004 - 18:36
Geschlecht: männlich
Wohnort: Hannover

Beitrag von Klaus »

Toni hat geschrieben:Aber diesen Orthopäden auf Anhieb zu finden, das wäre wie eine 6 im Lotto....
Richtig und deswegen gibt es zur Orientierung die Rubrik "Gesucht/Gefunden" und da dann folgendes:

viewtopic.php?t=3006

Du kannst es natürlich mit Dr. Verres versuchen, aber @Achilles hat damals wirklich schlechte Erfahrungen gemacht, weil offensichtlich seine Kyphose nicht richtig eingeordnet wurde.
Man muss sozusagen schon als voll informierter Patient hingehen und wissen, was für Leistungen man abfordern muss. Und die Kyphose wird auch heute noch gegenüber der Skoliose stiefmütterlich behandelt, d.h. nicht richtig oder gar nicht erkannt oder einfach ignoriert.

Gruss
Klaus
anna blume
Newbie
Newbie
Beiträge: 3
Registriert: Do, 31.05.2007 - 02:02
Wohnort: Wiesbaden

Beitrag von anna blume »

hallo toni, hallo klaus,

danke!
Klaus hat geschrieben:Man muss sozusagen schon als voll informierter Patient hingehen und wissen, was für Leistungen man abfordern muss
ja, traurig aber wahr, das habe ich bei meinen anderen erkrankungen auch feststellen müssen.

deshalb danke ich euch sehr für das briefing. ;D

ich werde berichten, ob der orthopäde etwas taugt, oder ob ich die praxis mit lichtgeschwindigkeit verlassen musste ...

ich glaube, ich schreibe mir noch einen spickzettel. ;)

bis bald
anna
anna blume
Newbie
Newbie
Beiträge: 3
Registriert: Do, 31.05.2007 - 02:02
Wohnort: Wiesbaden

Beitrag von anna blume »

hallo,

zugehört hat der orthopäde, zeit hat er sich auch genommen, die praxis ist gut organisiert und super ausgestattet...

aber --- trotz meiner einwände wollte er keine ganzwirbelsäulenaufnahme machen, nur die bws wurde geröngt. er sagte, der scheuermann sei ausgestanden und ausgeheilt, es gäbe kein fortschreiten der erkrankung im erwachsenenalter. naja, hatte mich schon gleich geärgert, dass ich das forum und damit den thread, auf den klaus auch hingewiesen hat, erst gefunden habe, als ich den termin schon vereinbart hatte.

ich muss nun zur skelettszintigraphie, damit ein bösartiges geschehen ausgeschlossen werden kann. hatte nämlich vor drei jahren krebs. ich bin aber zu 90 prozent sicher, und der orthopäde auch, dass die schmerzen nicht von etwaigen knochenmetastasen, sondern von meinem verbogenen rücken kommen. ich sag euch, ich bin es echt leid, dass immer gleich die große untersuchungsmaschinerie angeworfen wird. mein letztes szinti ist nicht einmal sechs monate her.

aber gut, besser ist es natürlich, das abzuklären. erst wenn das knochenszinti ohne befund ist, wird die therapie besprochen bzw. eingeleitet.

schönes wochenende euch allen
anna
Benutzeravatar
Silas
Profi
Profi
Beiträge: 3067
Registriert: Sa, 06.11.2004 - 23:34
Geschlecht: weiblich
Therapie: Rahmouni Korsett
Schroth KG

Beitrag von Silas »

Blöd, dass er keine Ganzwirbelsäulenaufnahme gemacht hat bzw. Dich zu einem Radiologen überwiesen hat, damit dieser eine anfertigt...

Stattdessen werden teure Untersuchungen und wahrscheinlich überflüsissige Untersuchungen angeordnet. Bei Verdacht auf bösartige Erkrankungen wäre die erste Idee wohl auch eher ein MRT...

Ein Scheuermann verursacht durch die Schäden, die bereits existieren u. U. auch dann Schmerzen, wenn er sich nicht mehr wesentlich weiter verschlechtert.

An Deiner Stelle würde ich den Orthopäden wechseln.
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
(Stephen Hawking)
Benutzeravatar
Klaus
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 15281
Registriert: Mi, 23.06.2004 - 18:36
Geschlecht: männlich
Wohnort: Hannover

Beitrag von Klaus »

Silas hat geschrieben:An Deiner Stelle würde ich den Orthopäden wechseln.
Was gleichbedeutend damit ist, Dr. Verres wirklich gar nicht mehr zu empfehlen!

Gruss
Klaus
Antworten