Hilfe in Berlin und Umgebung

Alles zur Korsett-Therapie für Jugendliche und Erwachsene bei Skoliose, Morbus Scheuermann, Kyphose ...
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GritundTini

Hilfe in Berlin und Umgebung

Beitrag von GritundTini »

Hallo,
meine Tochter wird 15 und hat seit ihrem 10. Lebensjahr Skoliose. Derzeit hat sie 40 und 35 Grad (n. Cobb). Vor 3 Jahren (20 und 15 Grad) war sie für 6 Wo zur Kur in Bad Elster. Seitdem macht sie Physio, geht schwimmen, achtet auf ihre Haltung usw. Sie trägt kein Korsett, aber ich denke, wir werden nicht mehr drum herum kommen.
Wer kann mir einen erfahrenen und kompetenten Orthopädietechniker in Berlin empfehlen? Gibt es im Berliner Raum evtl. Selbsthilfegruppen, Skoliosegruppen? Welcher Orthopäde hat Erfahrungen mit Korsett-PatientInnen?
Danke im voraus für Eure Antworten.
Grit
Tomma
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Beitrag von Tomma »

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Dalia
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Beitrag von Dalia »

Hallo Grit,

Tomma hat schon einen Orthopäden genannt. Du hast zwar nicht danach gefragt, aber sagen möchte ich, dass die nächste Kur in Bad Salzungen oder in Bad Sobernheim stattfinden sollte, weil diese beiden Reha-Kliniken ganz gezielt auf Skoliosen ausgerichtet sind.

Ja, mit dem Gedanken an ein Korsett müsst ihr euch wohl anfreunden, zumindest bis zum 20. Lebensjahr. Außerdem sollte deine Tochter Krankengymnastik nach Schroth machen, falls sie es nicht schon macht.

Liebe Grüße,
Dalia
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
GritundTini

Beitrag von GritundTini »

Danke erstmal für Eure Hinweise. Gibt es im Oskar-Helene auch einen bestimmten Orthopäden an den ich mich wenden sollte? Wer hat dort bereits Erfahrungen gemacht?
Mich trifft die Erkenntnis, dass meine Tochter ein Korsett brauchen wird, doch recht hart. Grade in ihrem Alter hat man doch andere Interessen. Wie soll ich das durchhalten sie jeden Tag zu motivieren? Weiß jemand von einer Skoliosegruppe oder Selbsthilfegruppe im Berliner Raum? Sollte man zur Anschulung auch eine Kur beantragen? Wie lange sollte die mindestens gehen?
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Toni
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Beitrag von Toni »

Uns ist im Oscar-Helene-Heim kein empfehlenswerter Arzt namentlich bekannt. Klinische Korsett-Anschulungen finden dort statt, die aber (im Gegensatz zu anderen Uni-Kliniken) sehr positiv empfunden und bewertet werden.
Eine Reha zum Erlernen von Schroth sollte aber entweder in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen durchgeführt werden.

Bitte versuch doch dort mal den Orthopädie-Techniker Klaus Nahr anzurufen und lass Dich vorab von ihm beraten, wie ihr das anpacken sollt.

Die vielen Interessen, die eine Jugendliche in diesem Alter hat, können auch trotz und mit dem Korsett wahrgenommen werden. Einige Sachen jedoch, (wie z.B. "Bauchfrei-Mode" usw...) müssen leider hintangestellt werden.
Die Wirbelsäule ist einfach WICHTIGER!
Nicht Du musst deine Tochter täglich neu motivieren. Das wird auf Dauer nicht funktionieren und führt zu großen Konflikten!
Deine Tochter muss kapieren und lernen, selbst Verantwortung für IHRE Wirbelsäule und ihren Körper zu übernehmen.
Wenn sie das schafft, dann wird sie ein starke, selbstbewusste und zuversichtliche, charakterstarke Persönlichkeit, die an Lebenserfahrung und Durchhaltevermögen in Lebenskrisen gleichaltrigen "Only just for fun-Kid´s" haushoch überlegen ist.
Das ist durchaus auch als positive "Nebenwirkung" eines Korsettes zu sehen.
Das Korsett soll nicht als Drohung oder "Strafe für schlechte Haltung" empfunden werden, sondern als große Chance zur Heilung!

Die Motivation es zu tragen entsteht aus dem eigenen festen Willen gerade zu werden, der Angst vor einer möglichen Operation und dem positiven Beispiel von "Schiksalsgenossinnen", die Erfolg mit dieser zweiflelos harten Therpaie haben.
Ihr schafft das schon, es haben Tausende vor Euch auch geschafft!
Gruß Toni
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J-Maria
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Beitrag von J-Maria »

GritundTini,

ich komme auch aus Berlin und meine Tochter ist 14. Seit August 2003 trägt Sie ein Korsett von Klaus Nahr.

In der Skoliosesprechstunde ist jedes Mal ein anderer Arzt/Ärztin, wenn wir da sind. Sie sind alle sehr nett, aber das hat mich am Anfang sehr gestört. Es ist mir aber mittlerweile egal, dass wir nicht nur einen Arzt als Ansprechpartner haben, ich habe erkannt, dass in der Korsett-Therapie die Leistung vom Korsettbauer erbracht wird. Die Ärzte reden gut zu, messen die Ergebnisse aus, usw., aber die Arbeit wird vom Orthopädietechniker erbracht. Ich kann Dir keine Arztempfehlung geben, dafür kann ich Dir Herrn Nahr als Korsetthersteller sehr empfehlen.

Meine Tochter ist durch das Korsett, von 38° auf eine Überkorrektur ca. -10° innerhalb von 9 Monaten gekommen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, denn nicht jeder schaffen kann. Es hängt davon ab, ob deine Tochter noch beweglich (mobil) ist und ob man ein Korsett konsequent trägt. Es gibt noch eine ganze Reihe von Faktoren die auch nennenswert sind (individuelle Prädisposition, Kur-Aufenthalte, Krankengymnastik nach Schrott, Schwimmen, Gymnastik zu Hause, ...) aber das wichtigste, um eine Korrektur zu erreichen, ist ein gutes Korsett, den man 23 Stunden trägt.

Toni schrieb:
Nicht Du musst deine Tochter täglich neu motivieren. Das wird auf Dauer nicht funktionieren und führt zu großen Konflikten!
Deine Tochter muss kapieren und lernen, selbst Verantwortung für IHRE Wirbelsäule und ihren Körper zu übernehmen.
Toni, mit der Selbstverantwortung, das ist nicht so einfach in der Praxis. Ich finde, dass die Kinder brauchen sehr wohl viel Unterstützung und man trägt als Elternteil die Verantwortung mit. Die Kids wissen zwar worum es geht und was für Sie auf dem Spiel steht, aber die Turbulenz der Gefühle und Emotionen in pubertärem Alter das ist schon ein Ausnahmezustand der Vernunft manchmal ausschaltet. Was beständig ist, ist die Unbeständigkeit. Es gibt Phasen mit ständigem Stimmungswechsel zwischen hochmotiviert und Desinteresse bis hin zu egal. Es ist schon ein schwieriges Alter und die Jugendlichen erlangen nicht alle im gleichem Alter eine Reife, die es Ihnen ermöglicht die Verantwortung für sich selbst voll zu übernehmen. Ich finde die Korsett-Therapie ist für einen ausgeglichenen Erwachsenen eine Herausforderung und für Mädchen in der Pubertät schon eine harte Sache. Die Unterstützung durch Eltern und aus dem Umfeld ist hier sehr, sehr wichtig und!!!

GritundTini,
habe keine Zweifel, dass Du es schaffst Deine Tochter zu motivieren. Man entwickelt als Mutter Kräfte und Motivation, wenn es um die Gesundheit der Kinder geht. Ich habe im August letzen Jahres auch nach einer Skoliose-Selbsthilfe-Gruppe in Berlin gesucht und keine gefunden. Ich weiß, wie es Dir geht und will hier meine priv. Telefonnummer nicht veröffentlichen, würde Dich aber anrufen, wenn Du mir eine E-Mail schreibst.

Grüße

J-Maria
Tomma
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Beitrag von Tomma »

Dalia hat geschrieben:Tomma hat schon einen Orthopäden genannt.
:nein: Ich hab keinen Orthopäden genannt, sondern einen Orthopädietechniker!
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hallo J-Maria
Du hast geschrieben:
Toni, mit der Selbstverantwortung, das ist nicht so einfach in der Praxis. Ich finde, dass die Kinder brauchen sehr wohl viel Unterstützung und man trägt als Elternteil die Verantwortung mit. Die Kids wissen zwar worum es geht und was für Sie auf dem Spiel steht, aber die Turbulenz der Gefühle und Emotionen in pubertärem Alter das ist schon ein Ausnahmezustand der Vernunft manchmal ausschaltet. Was beständig ist, ist die Unbeständigkeit.
Genauso IST ES!
Ich kann nur jeden Satz unterstreichen! Aber wie sieht die Unterstützung der Eltern (vorzugsweise der Mütter)in der Praxis aus? Druck, Zwang, Drohung, Angst, Strafen, Entzug von Zuneigung, Ewiges mahnen?
Ichhab bei den SkolioseAktiv-Runden oft genug die verzweiflung der Eltern erlebt, wenn das alles nichts fruchtet.
"Halts Maul, du musst den Mistkübel ja nicht anhaben! Du hast doch keine Ahnung wie besch***en man sich darin fühlt!" ist noch die freundlichste Konversation zwischen Mutter und Tochter.
Es zeigt sich immer wieder, daß diejenigen Erfolg haben, bei denen es KLICK im Kopf macht. Selbstverständlich brauchen Skoli-Kids (und nicht nur die!) Unterstützung in jeglicher denkbarer und liebevoller Form. Aber die Hauptaufgabe sollte schon sein, daß der eigene Wille so gestärkt wird, daß es "KLICK" im Kopf macht.

Früher war man das rigoroser. Abgesperrte Milwaukees, monatelange Rissergipskorsette und am Körper fest verschraubte Stagnara-Lyoner (nicht nur postoperativ!) waren üblich.

Ich würde versuchen solche Zwangsmaßnahmen durch die Definition von COMPLIANCE ersetzen:
Hier ein Zitat aus einem früheren Posting von mir:

Aber frag Dich selber: Ist das Korsett zu hart oder bin ich zu weich? Bin ich die Prinzessin auf der Erbse? Wie motiviert zum Korsett-Tragen bin ich eigentlich? Welches Ziel hab ich mit meiner WS?
Das Korsett ist "NUR" ein Hilfsmittel. Die Begradigung der WS findet eigentlich im Kopf statt- DURCH DEINEN WILLEN!!!
Was Dir im Moment noch etwas mangelt ist COMPLIANCE!

Das Wort COMPLIANCE kann man gar nicht mit einem einzigen Wort ins deutsche übersetzen. Leider braucht man dazu relativ viele Worte und die volle Bedeutung von Compliance herüberzubringen: Ausdauer, Einsicht in die Notwendigkeit, Gehorsam gegenüber der ärztlichen Anweisung, Zuversicht und Hoffnung auf Heilung, Disziplin, Selbstkontrolle, stoische Beharrlichkeit, Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen, Mut und Tapferkeit, Zivilcourage, Willens-Kraft und Durchsetzungsvermögen dem inneren Schweinehund gegenüber, Konsequenz und Liebe zum eigenen Körper!
BZebra hat mir mal vorgeworfen, ich würde versuchen SkolioseTherapie mit "Walddorf-Pädagogik" zu machen, was aber allein nicht funktioniert!

Und doch hat das für mich erste Priorität. Die Begradigung der WS findet zuallererst im Kopf statt, und dann erst im Korsett!

Ich bewundere Euch Mütter und Eure Kinder! Ich weis sehr wohl daß es eine sehr schwierige Gradwanderung ist.
VERGESST DIE LIEBE NICHT!
Toni
Zuletzt geändert von Toni am Fr, 30.04.2004 - 00:05, insgesamt 1-mal geändert.
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
GritundTini

Beitrag von GritundTini »

Ich danke Euch allen ganz herzlich bis hierher. Es ist schonmal tröstend zu wissen, dass man nicht so alleine auf der Welt ist mit seinem Problem. Unser Orthopäde ist sich wegen des Wachstums bei Tini- bereits abgeschlossen oder noch nicht - nicht ganz sicher und schickt uns erstmal zur Wirbelsäulensprechstunde der Uni-klinik Benjamin Franklin in die Neurochirurgie. Nach allem was ich so im Netz oder auch in dem Buch "Ich habe Skoliose" von Dr. Weiß gelesen habe, ist mit 15 Jahren das Wachstum noch nicht abgeschlossen, so dass eine Korsettbehandlung als konservative Behandlungsmethode der derzeit einzig gangbare Weg zu sein scheint. (Also eigentlich weiß ich gar nicht, ob der Besuch beim Neurochirurgen noch was bringt :( )
Ich habe mich auch bei der Schroth-Klinik nach Physiotherapeuten erkundigt, die im berliner Raum eine "Schroth"-Ausbildung haben und danach praktizieren. Mal sehen, ob das was bringt. Tini war zwar zur Kur in Bad Elster, aber so wie ich das mitbekommen habe, kann es gut sein, dass dort andere Methoden und Verfahren angewandt wurden. Und da will ich sie schon auf die richtigen Übungen ansetzen.
Mich würde aber noch interessieren - wenn man nun kein Korsett macht und weiter Sport treibt, schwimmen geht und seine Übungen macht - was passiert dann? Tini hat eine Form der idiopatischen Skoliose (ist ca. mit 10 Jahren bei ihr zum ersten Mal diagnostiziert worden), die ja wohl selten über 50 Grad hinausgehen soll und auch im weiteren Leben nicht mit mehr Schmerzen ablaufen soll, als bei einem "normalen" Rücken. Meine Schwiegermutter ist so ein Fall: Offensichtlich Skoliose, aber nie behandelt. Sie ist inzwischen 76 und hat nicht mehr und nicht weniger Rückenschmerzen als andere verspannte Zeitgenossen auch. Ich will das Problem nicht kleinreden! Es ist eine ernst zu nehmende Sache. Aber müssen denn auch die vielen Zahnspangen immer so unbedingt sein?

Ich wollte noch sagen: vielen Dank an J-Maria! So ein Erfahrungsbericht aus eigenem Erleben ist viel Wert. Und ich denke, ich werde Tini vorschlagen, dass wir uns kontaktieren, wenn sie es möchte.
Danke Dir!!

Liebe Grüße, Grit
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Fiara
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Beitrag von Fiara »

Nur mal kurz zwischendurch: warum soll eine idiopathische Skoliose selten über 50° hinausgehen? Gerade eine idiopathische Skoliose verschlechtert sich oft mehr und schneller als Skoliosen, die Folge von anderen Erkrankungen sind.
Das mit den Schmerzen ist bei jedem unterschiedlich. Manchen älteren Leuten geht es mit 100° super, andere Jugendliche mit 30° haben Schmerzen.

P.S.: Ich habe Korsett UND Zahnspange ;D
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Beitrag von Reiterin »

Hi !
Also , ich denke , es wäre schon notwendig , jetzt das Korsett zu tragen , denn immer hin ist die Wirbelsäule ein sehr wichtiges Körperteil !!! Wenn sie schon (glaube ich...) 30 ° hat , würd ich ein Korsett tragen !! Ich trage ebenfalls eine Zahnspange ! NO Problem , klappt echt supa !!! zahnspangen isnd nicht unbedingt notwendi , aber mir selber wäre es schon ziemelich peinlich , mit so ner Hack-Fresse *lol* , rumzulaufen *g* :ja: :lach: :eek: !!!!! Ich werd ebeides noch lange tragen ! Als ich letztes mal beim OT zur kOntrolle war , meinte er auch : Du musst es NOCH Konsequenter tragen , denn es ist nicht wie ne Zahnspange !!
LG
Reiterin !
PS : Auch wenns nicht geholfen hat , wollt ich mich au ma zu wort melden *g* ! Ich würde beides Konsequent durchziehn ,d enn 1 : Des Korsett sieht man nicht wirklich unter der Kleidung und sooo schlimm ists auch net !! und 2: Welcher Jugendliche trägt keine spange ???
3. : Es sind vielleicht 7 Jahre von deinem Leben und danach biste vielleicht gerade ! Das ist es , womit mich meine Mutter auch manchma motiviert *lol* !
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J-Maria
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Beitrag von J-Maria »

Hallo Toni,

ich Glaube, Du hast mich falsch verstanden. Es liegt, glaube ich, aber nicht daran, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe. Es liegt an Dir. Du siehst zu oft alles nur aus Deiner Sicht und aus Deinen Erfahrungen. Du lässt oft keine andere Meinung gelten, neben Deiner. Es gibt nun aber Bereiche, da hast du keine Kompetenz, z. B. Du bist keine Mutter mit skoliosekrankem Kind. Ja, Du leides selbst an Skoliose und trägst ein Korsett das ist aber etwas anderes. Glaub mir.

Ich möchte mich an dieser Stelle wiederholen:
Toni, mit der Selbstverantwortung, das ist nicht so einfach in der Praxis. Die Kids wissen zwar worum es geht und was für Sie auf dem Spiel steht, aber die Turbulenz der Gefühle und Emotionen in pubertärem Alter das ist schon ein Ausnahmezustand der Vernunft manchmal ausschaltet. Was beständig ist, ist die Unbeständigkeit. Es gibt Phasen mit ständigem Stimmungswechsel zwischen hochmotiviert und Desinteresse bis hin zu egal. Es ist schon ein schwieriges Alter und die Jugendlichen erlangen nicht alle im gleichem Alter eine Reife, die es Ihnen ermöglicht die Verantwortung für sich selbst voll zu übernehmen. Ich finde die Korsett-Therapie ist für einen ausgeglichenen Erwachsenen eine Herausforderung und für Mädchen in der Pubertät schon eine harte Sache. Die Unterstützung durch Eltern und aus dem Umfeld ist hier sehr, sehr wichtig!!!

Weiter schreibst Du noch das:
Aber die Hauptaufgabe sollte schon sein, daß der eigene Wille so gestärkt wird, daß es "KLICK" im Kopf macht.
Toni, diesen berühmten „KLICK“ kann man, auch bei großer Anstrengung und wenn man alles richtig macht, bei Kindern/Jugendlichen nicht so einfach auslösen. Es dauert manchmal sehr lange bis der „KLICK“ sich einstellt, und die wertvolle Zeit vergeht. Und da man die Uhr nicht zurück drehen kann, liegt die Verantwortung solange bei den Eltern.

Toni, was willst Du den eigentlich? Zu erst gibst Du mir Recht und schreibst:
Genauso IST ES!
Ich kann nur jeden Satz unterstreichen! Aber ...
danach lägst Du aber in eine andere Richtung los und schreibst:
Ich kann nur jeden Satz unterstreichen! Aber wie sieht die Unterstützung der Eltern (vorzugsweise der Mütter)in der Praxis aus? Druck, Zwang, Drohung, Angst, Strafen, Entzug von Zuneigung, Ewiges mahnen?
Ichhab bei den SkolioseAktiv-Runden oft genug die verzweiflung der Eltern erlebt, wenn das alles nichts fruchtet.
"Halts Maul, du musst den Mistkübel ja nicht anhaben! Du hast doch keine Ahnung wie besch***en man sich darin fühlt!" ist noch die freundlichste Konversation zwischen Mutter und Tochter.
Toni, um Gotteswillen unter Unterstützung versteht man etwas anderes als „Druck, Zwang, ‚Drohung, Angst, Strafen, Entzug von Zuneigung, Ewiges mahnen“. Wo lebst Du denn, hast wohl immer nur die falschen Mutter und Töchter getroffen und ziehst Deine Schlüsse auf alle.
Unterstützung bedeutet:
- Loben, Loben, Loben, ..
- Ermahnen, wenn sein muss
- Motivieren, Motivieren, Motivieren, ...
- Wenn sein muss Erinnern, Erinnern, Erinnern ... (z. B. an Gymnastik)
- Seelischen Beistand leisten
- Regelmäßig zur KG hinbringen/abholen egal wie weit es ist
- Nachts im Zimmer bleiben, wenn die Druckstellen gerade schlimm geworden sind
- und vieles, vieles mehr ...

Natürlich ist eine Mutter-Tochter Beziehung auf die Probe gestellt. Und weißt Du was, es gibt auch andere Möglichkeiten, als die von Dir genannten Maßnahmen zu ergreifen. Es ist oft sehr schwer, aber machbar und mit viel Liebe und Geduld kann man es schaffen. Wichtig ist das Selbstbewusstsein zu stärken und nicht zu brechen. Für die Mütter ist es wichtig als Unterstützer sich selbst aus dem Umfeld Hilfe holen, wenn nötig. Hier sollten Physiotherapeuten/Korsettbauer/ggf. Ärzten einbezogen werden. Die Geduld ist oft auf die Probe gestellt, vor allem, wenn die Mädchen zickig werden, und das gehört schon in diesem Alter dazu (mehr oder weniger ausgeprägt). Wir haben auch schon richtig schwere Zeiten durchgestanden und ich glaube wir sind aus dem Gröbsten raus. Meine Tochter hat inzwischen eine Überkorrektur erreicht und hat dabei an Selbstvertrauen gewonnen.

Letzte Woche hat mich meine Tochter sehr überrasch. Sie ist am Dienstag wegen „Gil´s Day“ (22. April, Deutschladweite Veranstaltung für Mädchen und Junge Frauen in Betrieben, Universitäten und sont. Institutionen) nicht zur Schule gegangen, sondern zur einer Veranstaltung bei DaimlerChrysler. Am Abend davor, als sie sich auf diesen Tag vorbereitet hatte, habe ich ihr spontan angeboten, das Korsett ausnahmsweise für ein Tag zu Hause zu lassen. Daraufhin hat sich mich mit diesem Was-soll-denn-das-schon-wieder-Blick angeschaut, und hat es abgelehnt. Verblüfft und positiv überrascht stand ich da, denn auch wenn sie nicht zu den Mädchen gehört, die ihr Korsett verstecken, ich dachte, sie würde sich freuen auf ein Tag ohne Korsett. Aber ihr war wohl gar nicht danach.

Toni, ich habe sehr viel Kritik über Mütter (unterschwellig oder offen, es war alles dabei) im Deinem Beitrag gelesen. Du verletzt viele Mütter damit. Und der Gipfel der Frechheit ist als Du zum Schluss schreibst:
VERGESST DIE LIEBE NICHT!
Ich kläre Dich jetzt auf:
Mütter sind nicht fähig die Liebe zur Ihren Kindern zu vergessen, und die die es doch tun, da hilft Dein Spruch nicht (wir wollen hier aber nicht von Ausnahmen sprechen).

Müttern, und allen anderen heute einen schönen Abend noch

J-Maria
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Beitrag von J-Maria »

Hallo Grit,

Du schreibst, dass Deiner Tochter sich in Behandlung bei einem Orthopäden befindet; seit sie 10 ist und dass die Skoliose mittlerweile heute mit 15 schon 50° erreicht hat. Hat der Arzt euch vorher keine Korsett-Therapie angeboten oder habt ihr eine abgelehnt?

Unser Orthopäde (auch wenn kein Skoliosespezialist) hat uns gleich nach der Gradmessung von 38° zur der Skoliosesprechstunde geschickt, mit Dringlichkeit.
Alle weitere Untersuchungen wurden dort gemacht und seit dem sind wir nur noch da in Behandlung.

Grit, ich glaube die Sache ist leider ernster als Du glaubst und schiefe Zähne nichts im Vergleich mit Skoliose so hohen Grades.
15 Jahre und 50° - denk daran es kann sich noch verschlimmern.
Jetzt habt ihr noch gute Chancen, aber warte nicht zu lange.
Der Verlauf einer Skoliose kann auch anders aussehen als der bei Deiner Schwiegermuter. Lass es nicht darauf ankommen.
Hol Dir ein weitere Meinung von einem weiterem Orthopäden.
Bei Euren Eckdaten – 15 Jahre/50° da muss bei jedem Orthopäden normalerweise das rote Licht angehen.

Alles Gute.

Grüße

J-Maria
Tomma
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Re: Hilfe in Berlin und Umgebung

Beitrag von Tomma »

J-Maria hat geschrieben:Hallo Grit,

Du schreibst, dass Deiner Tochter sich in Behandlung bei einem Orthopäden befindet; seit sie 10 ist und dass die Skoliose mittlerweile heute mit 15 schon 50° erreicht hat.
J-Maria, da hast du wohl etwas missverstanden. Passiert jedem von uns mal.
GritundTini hat geschrieben: ...meine Tochter wird 15 und hat seit ihrem 10. Lebensjahr Skoliose. Derzeit hat sie 40 und 35 Grad (n. Cobb). Vor 3 Jahren (20 und 15 Grad) war sie für 6 Wo zur Kur in Bad Elster. Seitdem macht sie Physio, geht schwimmen, achtet auf ihre Haltung usw. Sie trägt kein Korsett, aber ich denke, wir werden nicht mehr drum herum kommen.
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Beitrag von J-Maria »

Hallo Tomma,
stimmt Tomma, Du hast Recht. Das mit 50° ist mir aus folgendem Satz hängen geblieben:

Grit schrieb:
Tini hat eine Form der idiopatischen Skoliose (ist ca. mit 10 Jahren bei ihr zum ersten Mal diagnostiziert worden), die ja wohl selten über 50 Grad hinausgehen soll und auch im weiteren Leben nicht mit mehr Schmerzen ablaufen soll, als bei einem "normalen" Rücken.
Sorry Grit ich bin da mit der Gradzahl durcheinander gekommen. Wobei 40° und 35 ° auch schon viel ist und hier würde ich weiter so argumentieren wie schon oben getan. Ihr musst etwas tun und ich wünsche Euch viel Erfolg dabei und alles Gute.

Tomma,
danke für den Hinweis.

Grüße

J-Maria
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Beitrag von Toni »

Toni, ich habe sehr viel Kritik über Mütter (unterschwellig oder offen, es war alles dabei) im Deinem Beitrag gelesen. Du verletzt viele Mütter damit. Und der Gipfel der Frechheit ist als Du zum Schluss schreibst:
Zitat:
VERGESST DIE LIEBE NICHT!
Ich kläre Dich jetzt auf:
Mütter sind nicht fähig die Liebe zur Ihren Kindern zu vergessen, und die die es doch tun, da hilft Dein Spruch nicht (wir wollen hier aber nicht von Ausnahmen sprechen).
Liebe Maria,
wenn Du das als Gipfel der Frechheit empfindest, dann verkennst Du mich in diesem Moment völlig.

Ich habe schon erlebt wie an Skoliose und Korsett-Therapie Ehen scheitern, Mutter-Kindbeziehungen kaputtgehen, Geschwisterbeziehungen furchtbar leiden und Familien zerbrechen.
Manchmal habe ich schon den Eindruck bei nicht wenigen Müttern, daß sie ihre Selbstvorwürfe dann durch Compliance-Druck auf ihre skoliotischen Töchter (UND Söhne!) abreagieren und dass genau in vielen solchen Momenten DIE LIEBE VERGESSEN WIRD. (Wenn die Liebe für einen Moment vergessen wird bedeutet das absolut nicht, sie würde nicht mehr existieren!)

Aber ich habe auch schon das genaue Gegenteil erlebt, wie durch diese "harte Prüfung"sehr viel Liebe freigesetzt worden ist und in enorme Kräfte umgesetzt wird.

Ich habe auch schon einigemale erleben dürfen, wie pubertierende Schlechtcompliance-Jugendliche in 10 Minuten intensivem Gespräch bei Meister Amor einen Compliance-Schub und eine "Klick-Motivation" erhalten haben, der auch durch stundenlangen "Mutterliebe & Mama-Terror" nie zu erreichen war.

J-Maria, ich glaube wir würden uns besser verstehen wenn wir uns mal unterhalten und kennenlernen würden.

Ich habe selbst keine Kinder.
Alle Skolis und Kyphos allen Alters sind irgendwie seither meine "Kinder".

Aber ich beobachte das emotional sehr stark beteiligt aber doch von neutral.
Ich bin aber immer auf Seiten der Patienten, was durchaus manchmal bedeutet: GEGEN die Mütter. Dazu steh ich. Aber ich pauschaliere nicht und differenziere sehr fein.
Aber meistens bewundere ich BEIDE. Die tapferen Jugendlichen und ihre Mütter.

Die meist erbärmliche Rolle der Väter in diesen Skoliose-Familien macht mich (von seltenen sehr positiven Ausnahmen abgesehen!) traurig und wütend!
Verzeih bitte wenn ich Dich und andere Mütter verletzt habe, es war NICHTmeine Absicht!
Gruß Toni
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Beitrag von Kobi »

Hallo Grit u. Tini,
ich bin zwar ein Vater(nicht von der erbärmlichen Sorte),aber ich weiss auch dass die Hauptbelastung trotzdem immer an der Mutter hängen bleibt.
Meine Tochter ist auch 15 und der Orthopäde hat uns nicht über die Skoliose aufgeklärt und auch nicht darauf hingewiesen dass es Skoliosesprechstunden in der Uniklinik gibt.Deshalb waren wir froh ,dass wir dieses Forum gefunden haben.Voriges Jahr wurde die Skoliose festgestellt,nach einem Jahr hatte sie sich auf 39 u. 29 Grad verschlechtert. Seit März hat meine Tochter ein Korsett(was Du meiner Meinung nach unbedingt in Angriff nehmen solltest),obwohl sie auch sportlich tätig war.Jetzt ist sie schon in Sobernheim seit Mittwoch in der Reha u. fühlt sich sehr wohl.Direkt Anschluss gefunden usw.Nach den ganzen Erfahrungsberichten aus dem Forum wird es für Deine Tochter eigentlich auch das Beste sein.Klicke doch einfach mal auf Hilfe,ich bekomme ein Korsett.Dort sind einige Erfahrungen ausgetauscht worden.
Vor allem, ich wünsche Euch alles Gute u.viele Grüsse
Kobi :juggle:
GritundTini

Beitrag von GritundTini »

Hallo zusammen, ich kann mich nur nochmal bis hierher bedanken. Ich stand vor einem großen Berg und wußte nicht, wie ich damit umgehen sollte. Als Mutter mache ich mir automatisch Vorwürfe, nicht eher gehandelt zu haben, an die falschen Ärzte geraten zu sein und es zu spät gemerkt zu haben, meine Tochter nicht konsequent genug auf ihre Übungen hingewiesen zu haben und und. Das ist so eine Sache mit dem Klick im Kopf, wie J-Maria schon sagte.
Trotzdem noch einige Fragen: Wie lange dauert es, ein Korsett zu bekommen, vom CAD-Modell bis zum ersten Tragen sozusagen? Ist es so, dass die erste Phase der Eingewöhnung entweder ambulant oder im KH erfolgt und nicht gleich in einer Kureinrichtung? In welchem Abstand sollte, nachdem man das Korsett bekommen hat, eine Kur folgen? Ist eine Eingewöhnung während einer Kur nicht besser? Wie lief das bei Euch ab? Was war daran gut, was schlecht?
Meine Tochter ist noch nicht so weit, dass sie hier im Forum liest. Ich glaube, sie schiebt das Problem noch vor sich her. Sie verschließt sich nicht, wartet aber noch ab. Das kommt auch daher, dass sie bei Ihrer Kur in Bad Elster auch Korsett-Patientinnen gesehen und deren Leid miterlebt hat. Damals (2002) wurde entschieden, dass sie noch kein Korsett braucht und darüber waren wir natürlich alle froh und glücklich. Aber das war vor 2 Jahren. Nun fällt es schwer einzusehen, dass einen die Geschichte nun doch eingeholt hat.
Ich wünsche schonmal ein schönes WE!
J-Maria, ich schick dir noch ne mail!
LG Grit
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Beitrag von Toni »

Hallo Grit
Die Erfahrung und ein ganz frischer mündlicher Bericht einer Patientin aus Bad Salzungen zeigt leider, daß eine Schroth-Reha in einer der beiden ASKLEPIOS Kliniken Bad Salzungen oder Bad Sobernheim NICHT unbedingt geeignet ist zur Korsett-Einschulung.
Leider im Gegenteil!
Durch die ganztägige KG, Essenszeiten, usw... bricht tagsüber bei den meisten Korsett-Usern die Tragezeit völlig zusammen. Dann sind sehr viele Jugendliche ohne Korsett oder mit sehr schlechter Compliance, die nicht gerade als ermunterndes und motivierendes Beispiel wirken.

TROTZDEM ist eine Skoliose-Intensiv-Rehabilitation unbedingt sehr zu empfehlen. Bei einigen Jugendlichen gibt es dann doch den brühmten "Klick" im Kopf, wenn sie neben "großen" erwachsenen Skoliosen in der gleichen Gruppe üben, diese Rücken und Schiksale sehen und dann innerlich entscheiden: "So weit will ich es nicht bei mir kommen lassen" und dann auch innnerlich den "Kampf" aufnehmen.
Das ist auch EIN wesentlicher Vorteil gegenüber einer reinen Jugendeinrichtung wie z.B. Bad Elster.
Wie schnell Deine Tochter das Korsett bekommen könnte solltest Du Klaus Nahr telefonisch fragen.
Ich drück Euch die Daumen!
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
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