Hallo Toni,
ich Glaube, Du hast mich falsch verstanden. Es liegt, glaube ich, aber nicht daran, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe. Es liegt an Dir. Du siehst zu oft alles nur aus Deiner Sicht und aus Deinen Erfahrungen. Du lässt oft keine andere Meinung gelten, neben Deiner. Es gibt nun aber Bereiche, da hast du keine Kompetenz, z. B. Du bist keine Mutter mit skoliosekrankem Kind. Ja, Du leides selbst an Skoliose und trägst ein Korsett das ist aber etwas anderes. Glaub mir.
Ich möchte mich an dieser Stelle wiederholen:
Toni, mit der Selbstverantwortung, das ist nicht so einfach in der Praxis. Die Kids wissen zwar worum es geht und was für Sie auf dem Spiel steht, aber die Turbulenz der Gefühle und Emotionen in pubertärem Alter das ist schon ein Ausnahmezustand der Vernunft manchmal ausschaltet. Was beständig ist, ist die Unbeständigkeit. Es gibt Phasen mit ständigem Stimmungswechsel zwischen hochmotiviert und Desinteresse bis hin zu egal. Es ist schon ein schwieriges Alter und die Jugendlichen erlangen nicht alle im gleichem Alter eine Reife, die es Ihnen ermöglicht die Verantwortung für sich selbst voll zu übernehmen. Ich finde die Korsett-Therapie ist für einen ausgeglichenen Erwachsenen eine Herausforderung und für Mädchen in der Pubertät schon eine harte Sache. Die Unterstützung durch Eltern und aus dem Umfeld ist hier sehr, sehr wichtig!!!
Weiter schreibst Du noch das:
Aber die Hauptaufgabe sollte schon sein, daß der eigene Wille so gestärkt wird, daß es "KLICK" im Kopf macht.
Toni, diesen berühmten „KLICK“ kann man, auch bei großer Anstrengung und wenn man alles richtig macht, bei Kindern/Jugendlichen nicht so einfach auslösen. Es dauert manchmal sehr lange bis der „KLICK“ sich einstellt, und die wertvolle Zeit vergeht. Und da man die Uhr nicht zurück drehen kann, liegt die Verantwortung solange bei den Eltern.
Toni, was willst Du den eigentlich? Zu erst gibst Du mir Recht und schreibst:
Genauso IST ES!
Ich kann nur jeden Satz unterstreichen! Aber ...
danach lägst Du aber in eine andere Richtung los und schreibst:
Ich kann nur jeden Satz unterstreichen! Aber wie sieht die Unterstützung der Eltern (vorzugsweise der Mütter)in der Praxis aus? Druck, Zwang, Drohung, Angst, Strafen, Entzug von Zuneigung, Ewiges mahnen?
Ichhab bei den SkolioseAktiv-Runden oft genug die verzweiflung der Eltern erlebt, wenn das alles nichts fruchtet.
"Halts Maul, du musst den Mistkübel ja nicht anhaben! Du hast doch keine Ahnung wie besch***en man sich darin fühlt!" ist noch die freundlichste Konversation zwischen Mutter und Tochter.
Toni, um Gotteswillen unter Unterstützung versteht man etwas anderes als „Druck, Zwang, ‚Drohung, Angst, Strafen, Entzug von Zuneigung, Ewiges mahnen“. Wo lebst Du denn, hast wohl immer nur die falschen Mutter und Töchter getroffen und ziehst Deine Schlüsse auf alle.
Unterstützung bedeutet:
- Loben, Loben, Loben, ..
- Ermahnen, wenn sein muss
- Motivieren, Motivieren, Motivieren, ...
- Wenn sein muss Erinnern, Erinnern, Erinnern ... (z. B. an Gymnastik)
- Seelischen Beistand leisten
- Regelmäßig zur KG hinbringen/abholen egal wie weit es ist
- Nachts im Zimmer bleiben, wenn die Druckstellen gerade schlimm geworden sind
- und vieles, vieles mehr ...
Natürlich ist eine Mutter-Tochter Beziehung auf die Probe gestellt. Und weißt Du was, es gibt auch andere Möglichkeiten, als die von Dir genannten Maßnahmen zu ergreifen. Es ist oft sehr schwer, aber machbar und mit viel Liebe und Geduld kann man es schaffen. Wichtig ist das Selbstbewusstsein zu stärken und nicht zu brechen. Für die Mütter ist es wichtig als Unterstützer sich selbst aus dem Umfeld Hilfe holen, wenn nötig. Hier sollten Physiotherapeuten/Korsettbauer/ggf. Ärzten einbezogen werden. Die Geduld ist oft auf die Probe gestellt, vor allem, wenn die Mädchen zickig werden, und das gehört schon in diesem Alter dazu (mehr oder weniger ausgeprägt). Wir haben auch schon richtig schwere Zeiten durchgestanden und ich glaube wir sind aus dem Gröbsten raus. Meine Tochter hat inzwischen eine Überkorrektur erreicht und hat dabei an Selbstvertrauen gewonnen.
Letzte Woche hat mich meine Tochter sehr überrasch. Sie ist am Dienstag wegen „Gil´s Day“ (22. April, Deutschladweite Veranstaltung für Mädchen und Junge Frauen in Betrieben, Universitäten und sont. Institutionen) nicht zur Schule gegangen, sondern zur einer Veranstaltung bei DaimlerChrysler. Am Abend davor, als sie sich auf diesen Tag vorbereitet hatte, habe ich ihr spontan angeboten, das Korsett ausnahmsweise für ein Tag zu Hause zu lassen. Daraufhin hat sich mich mit diesem Was-soll-denn-das-schon-wieder-Blick angeschaut, und hat es abgelehnt. Verblüfft und positiv überrascht stand ich da, denn auch wenn sie nicht zu den Mädchen gehört, die ihr Korsett verstecken, ich dachte, sie würde sich freuen auf ein Tag ohne Korsett. Aber ihr war wohl gar nicht danach.
Toni, ich habe sehr viel Kritik über Mütter (unterschwellig oder offen, es war alles dabei) im Deinem Beitrag gelesen. Du verletzt viele Mütter damit. Und der Gipfel der Frechheit ist als Du zum Schluss schreibst:
VERGESST DIE LIEBE NICHT!
Ich kläre Dich jetzt auf:
Mütter sind nicht fähig die Liebe zur Ihren Kindern zu vergessen, und die die es doch tun, da hilft Dein Spruch nicht (wir wollen hier aber nicht von Ausnahmen sprechen).
Müttern, und allen anderen heute einen schönen Abend noch
J-Maria