Ich hab mich eigentlich schon wenige Tage bevor ich nach Sobernheim gefahren bin hier angemeldet, weil ich ehrlich gesagt eine Wahnsinnsangst davor hatte, irgendwie hatte ich dann aber keine Zeit mehr reinzuschreiben. (Anmerkung: die Wahnsinnsangst hat sich schnellstens in Abschiedsschmerz gewandelt. ich will wieder in die Reha zurück!)
Und jetzt wo ich hier wieder reinschaue hab ich festgestellt, dass nicht besonders viel aktuelles zu Bad Sobernheim hier drin steht. Aber wie ich ja aus eigener Erfahrung weiß ist es immer gut, zu wissen was einem bevorsteht.
--> Falls ihr keine Lust habt, alles zu lesen: ich hab ganz am Ende eine Kurz-Zusammenfassung in Kursiv geschrieben. Ich hatte wirklich nicht vor, so ausführlich zu schreiben, aber jetzt wo ich fertig bin dachte ich mir, dass eine Zusammenfassung wohl notwendig ist...
Also, erstmal zu mir. Ich bin Österreicherin, 16 Jahre alt, die Skoliose wurde bei mir mit 14 entdeckt, ich habe und hatte nie ein Korsett, und ich war die letzten vier Wochen (bis gestern also) zum ersten Mal Reha. Die Ergebnisse sind ganz wundertoll. Nach den Bildern, die sie am Anfang und Ende gemacht haben (ich weiß leider nicht, wie das heißt..), hat sich die Rotation beinahe halbiert, die Seitabweichung ist um fast ein Drittel zurückgegangen. So viel Verbesserung hätte ich wirklich nicht erwartet und ich kann es eigentlich nicht wirklich glauben. Deswegen habe ich aber auch vor, weiterhin so viele Übungen wie möglich zu machen.
Um ehrlich zu sein kann ich mit einer genauen Cobb'schen Gradzahl nicht dienen. Das war bei mir ziemlich seltsam. Beim erste Röntgenbild (2006) waren es 33° und 15°, beim zweiten (November 2008) standen die Gradzahlen auch nicht auf dem Befund. Als ich an meinem ersten Donnerstag in Sobi Arzttermin hatte, hat der mir erklärt, er könne bei meinem ersten Bild 46° und irgendwas messen, beim zweiten, neueren hat er 55° und irgendwas gemessen. Ich hab mir die Gradzahl des zweiten Bogens leider nicht gemerkt, weil ich davon ja keinen Befund habe und ich in dem Moment am heulen war. Nachdem ich ohnehin schon Angst vor der Reha hatte auch noch so einen plötzlichen Schock zu bekommen... ich konnte mich nur schwer davon abhalten, ganz zusammenzubrechen.
Nunja, meine Eltern und ich haben jedenfalls beschlossen, dass wir das Röntgenbild von November in Wien und Innsbruck (wo vertrauungswürdige Ärzte sein sollen) noch einmal vermessen gehen. Ungefähr im September wollen wir auch ein neues Bild machen lassen, um die Verbesserung durch die Reha auch mal sicher schwarz-weiß zu haben. Und auch damit wir uns noch einmal vergewissern können, dass ich nicht unbedingt ein Korsett brauche (falls die Skoliose sich doch wieder verschlechtert, werde ich doch noch eines nehmen).
Weiter will ich davon nicht erzählen, aber da überall immer gefragt wird, wie das mit der Gradzahl aussieht, dachte ich, dass ich dem Mal vorweggreife und euch das gleich erzähle. Also nun zurück zur Reha. Genannten Tiefschlag hab ich relativ schnell wieder überwunden, weil ich mich erstmal auf die Reha konzentrieren wollte.
In der Anfängerwoche wurde uns alles was mit Skoliose und Schroth zu tun hat wirklich gut erklärt. Schon ganz am Anfang hab ich gemerkt, dass die Übungen wirklich was helfen. Meine Physiotherapie vorher hatte zwar nichts mit Schroth zu tun, aber ich hatte da zumindest die Atmung in die Schwache Seite schon gelernt, was echt auch ein Vorteil war. Erst war das ganze Entdrehen, Verschieben, Atmen, Raffen ganz schön viel und kompliziert, aber ich krieg sogar die Entdrehung der Hüfte (was für mich am schwierigsten war) nun schon ziemlich gut hin. schon bei der Zwischenuntersuchung hab ich gemerkt, dass es total viel geholfen hat. Skoliometer hat gesagt: Reha-Anfang 18/6, Reha-Mitte 14/5, Reha-Ende 10/4. Zumindest soweit man dieser Berechnung trauen kann.
So, nun aber weg von Schroth und Skoliose: die Leute. die waren genial. Es war allein schon toll, beim Essen ohne das Wort "Skoliose" erklären zu müssen über alles reden und mit Begriffen wie "Cobb, thorakalumbal, Paket raffen, etc." um sich werfen zu können und jeder hat es verstanden. Wo ich grad beim Essen bin: die Müslipause war echt das Beste, außer wenn Honig oder Obst oder beides gefehlt haben.
Auch für das Selbstbewusstsein war die Reha gut. Ich war zwar auch vorher nicht wirklich schüchtern, aber da man für alles ohne Mama oder Papa selber sorgen musste war das schon mal was anderes. Das tolle war auch, dass ich wirklich niemanden kannte und somit ganz ich selbst war ohne dass es Vorurteile gab (nicht mal gegen Österreicher
Zu allen anderen Jugendlichen kann ich nur sagen: ihr findet auf alle Fälle jemanden, mit dem ihr bestens auskommt, ich hab auch eine zweite beste Freundin gefunden. Es sind die unterschiedlichsten Leute dort, aber ich konnte alle zumindest einmal leiden - ich hab auch mindestens eine halbe Schulklasse von Leuten kennengelernt, die nie in meiner Gruppe waren.
So, nun aber noch eine Liste der aktuellen Belegschaft in der Klinik. Sind hauptsächlich Leute die ich selber hatte. Hinter die besonders tollen mach ich ein Rufezeichen =)
Ärzte: kenn ich nur Frau Botens (und Herrn Niemeyer, den ich eben an diesem ersten Donnerstag hatte, der ist aber nur zwei Tage die Woche als Aushilfe da)
Masseure: Capallo (!), Kaufmann
Atemtherapeuten: Sroka, auch Kaufmann
und nun *tief Luft hol* die Therapeuten:
Meine Gruppentherapeuten waren: Jochen Iseke (!), Philipp Giegerich (!!), Lili Schnier (!!), Emma Luja (!)... Von der Freien Übungszeit kenn ich sonst noch (kaum mit vollem Namen alle) --> Margret (!), Yasemin, Marco (!), Udo (!), Karin Orthel, Wiegand (!), Danielle, Peter... und sonst noch einige von denen ich den Namen nicht weiß.
--> jap, ganz recht gesehen, hinter Philipp und Lili hab ich gleich zwei Rufezeichen gemacht... einfach die besten.
So, ich denke mein Bericht ist nun wirklich lang genug, beinahe zwei Word-Seiten. Falls noch jemand Fragen hat: ich hab im Moment zwar wirklich viel aufzuholen in der Schule und in meinen außerschulischen Aktivitäten, aber ich werde versuchen gelegentlich vorbeizuschauen und stehe dann gerne weiter zur Verfügung.
Eine kurze Zusammenfassung der ganzen Reha: Sie war genial. auch wenn ich mich gefreut habe, heim zu kommen, die meiste Zeit wollte ich einfach nicht weg und jetzt, am ersten Tag ganz daheim, hab ich schon fast Entzugserscheinungen. Die Erfahrung ist echt was fürs Leben - und ich komme nächstes Jahr sicher wieder, soferns genehmigt wird.
Danke fürs Lesen und liebe Grüße!
traumdenkerin

