M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

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scheuer_mann
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M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von scheuer_mann »

Liebe Forumsleser,

Eher durch Zufall bin ich auf dieses Forum gestoßen, als ich mir einen neuen "täglich Workout" zurecht legen wollte.

Geschichte - was bisher geschah
Im Anhang habe ich zwei Bilder meines Rückens (seitlich und von hinten) beigefügt. Ich bin mittlerweile 25 Jahre alt. Mit etwa 16 Jahren wurde bei mir Morus Scheuermann und Beckenschiefstand diagnostiziert. Ich bekam Krankengymnastik verschrieben und habe dabei die ein oder andere Übung gelernt aber eigentlich nie weiter angewandt (Unterlagen dazu habe ich noch). Ich war meistens beschwerdefrei und habe aktiv Sport gemacht. Die Diagnose hat mich bis ich 20-21 war nicht wirklich interessiert. Als die ersten Beschwerden mit Anfang 20 kamen, habe ich das Training in einem Rückenzentrum begonnen. Hier konnte ich relativ zügig eine Stabilisierung erreichen, ich befürchte aber, dass ich insgesamt zu undifferenziert trainiert habe und die Fehlhaltung dadurch eher verstärkt wurde (die Kyphose ist stärker geworden). Mittlerweile treibe ich kaum noch Sport, habe aber auch keine aktiven Beschwerden (außer gelegentlich mal etwas Rückenschmerzen im unteren Lendenbereich nach zu langem Sitzen).

Ausblick & Fragen
Ich befürchte, dass es bei meiner bisherigen Unbeschwertheit mittel- bis langfristig nicht bleiben wird. Ich habe mich zu lange damit abgefunden, dass meine Haltung "halt eben so ist" und ich nichts machen kann außer weiterhin zu sporteln.

Mein erklärtes Ziel ist es, in dem noch machbaren Maße eine persistente Haltungskorrektur zu erreichen:
  • Wie gehe ich hierfür am besten vor?
  • Macht eine erneute gründliche Untersuchung meiner Haltung Sinn? Kann ich ggf. Diagnosen meines "alten Therapeuthen" wiederverwenden?
  • Gibt es Trainings-/Korrekturmöglichkeiten die keine intensiven und langwirigen Kuraufenthalte erfordern?
  • Wieviel ist aus Eurer Sicht in meinem Fall (siehe Bilder) noch machbar?
Ich wohne als Auswanderer in der Schweiz und bin auch dort im Gesundheitssystem mit lediglich dem minimal-Programm versichert. All meine bisherigen Diagnosen und Behandlungen haben in Deutschland stattgefunden.

Wie bereits erwähnt, bin ich aktuell beschwerdefrei. Das stöbern und lesen hier im Forum war für mich aber eine Art wake-up-call jetzt endlich was zu unternehmen. Im Verlauf der Diskussion werde ich sicher noch viele weitere Fragen haben. Ganz grundsätzlich: wie würdet Ihr vorgehen?

Ich freue mich auf Eure Antworten.
Beste Grüße,
Scheuer Mann
M.Scheuermann + Kyphose
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Becken Schiefstand sichtbar an Schultern
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Re: M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von Silas »

Zunächst sollte eine saubere Diagnostik bei einem kompetenten Orthopäden her. Dafür unerlässlich sind 2 Ganzwirbelsäulenaufnahmen - eine von vorne, eine von der Seite.

Darauf sieht man dann einerseite, wie stark Hyperkyphose und Hyperlordose wirklich sind und in welchem Umfang Schäden durch den M. Scheuermann vorhanden sind.
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Re: M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von Toni »

Ich kann mich Silas nur voll anschließen!
Erst eine gründliche Diagnose:
2 GanzWS-Aufnahmen im Stehen frontal und sagittal.
Vermessung nach SCHOBER & OTT mit FBA.

Anhand der Bilder vermute ich mal, daß Dein Hauptproblem ist eine Hyperlordose der LWS und starke Verkürzungen (Beinrückseiten) bei schwacher Bauchmuskulatur. Viel geübt aber zu wenig gedehnt.
Die BWS-Kyphose ist vermutlich überwiegend kompensatorisch.
Außerdem zeigt Dein Rückenbild von hinten ungleiche Schulterhöhen und ungleich-hohe Schulterblätter. Das könnte auch auf eine scheuermanntypische Begleit-Skoliose hindeuten.
Ein typischer, klassischer " Bilderbuch-Scheuermann-Habitus" eben.
Wie leider soooo Viele hättest Du schon vor Jahren in ein gutes Reklinations-Korsett gehört, dann wärest Du jetzt gesund und gerade.
Aber es ist NIE ZU SPÄT.

Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
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Klaus
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Re: M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von Klaus »

Hallo scheuer_mann,

wie Silas und Toni schon geschrieben haben, erst mal eine kompetente Diagnose mit Angabe der Gradzahlen, um die Situation eingrenzen zu können.
Es gibt im Forum einige User aus der Schweiz, Du solltest das in Deinem Profil eintragen, damit besser reagiert werden kann. Toni kann Dir sicherlich die Möglichkeit in Zürich nennen, ansonsten ist dann die Behandlung kostenmässig eine wohl schwierige Sache.
...habe ich das Training in einem Rückenzentrum begonnen. Hier konnte ich relativ zügig eine Stabilisierung erreichen, ich befürchte aber, dass ich insgesamt zu undifferenziert trainiert habe und die Fehlhaltung dadurch eher verstärkt wurde (die Kyphose ist stärker geworden).
Das kommt leider zu oft vor und ich selbst habe erlebt, dass falsches Training nicht unbedingt mit direkten Beschwerden verbunden sein muss. Erst wenn man über ein bestimmtes Maß an Verstärkung der Hyperkyphose hinauskommt, setzen die Beschwerden ein, durchaus so langsam, dass man sich auch daran gewöhnt.
Ich befürchte, dass es bei meiner bisherigen Unbeschwertheit mittel- bis langfristig nicht bleiben wird. Ich habe mich zu lange damit abgefunden, dass meine Haltung "halt eben so ist" und ich nichts machen kann außer weiterhin zu sporteln.
Das kann durchaus passieren, denn Dein Rundrücken und wahrscheinlich auch Dein Hohlkreuz hat sich ja bereits schon verschlimmert, obwohl der optische Eindruck noch nichts dramatisches vermuten lässt. Dramatisch ist im Sinne des Forums gemeint, wo es wirklich ganz andere Fehlstellungen gibt.
Gibt es Trainings-/Korrekturmöglichkeiten die keine intensiven und langwirigen Kuraufenthalte erfordern?
Wieviel ist aus Eurer Sicht in meinem Fall (siehe Bilder) noch machbar?
Wie schon gesagt, erst die Diagnose!

Grundsätzlich muss man aber sagen, dass man oft um eine stationäre REHA nicht herumkommt, weil es hier um spezielle Übungen geht, die sehr viel mit Körpergefühl zu tun haben, was man neu lernen muss und das ist nun mal mit viel Zeit und intensivem Kontakt mit Therapeuten verbunden.
Sollten hauptsächlich Verkürzungen der Rücken-Strukturen Ursache dafür sein, so können entsprechende Dehnübungen erfolgreich sein und das kann man sicherlich vor Ort durchführen.

Gruss
Klaus
scheuer_mann
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Re: M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von scheuer_mann »

Vielen Dank für Eure Antworten. Ich finde es toll, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt. Danke.

Ich möchte im Folgenden auf einige Eurer Punkte eingehen:
Silas hat geschrieben:Zunächst sollte eine saubere Diagnostik bei einem kompetenten Orthopäden her. Dafür unerlässlich sind 2 Ganzwirbelsäulenaufnahmen - eine von vorne, eine von der Seite.
Toni hat geschrieben:Erst eine gründliche Diagnose:
2 GanzWS-Aufnahmen im Stehen frontal und sagittal.
Vermessung nach SCHOBER & OTT mit FBA.
Klaus hat geschrieben:wie Silas und Toni schon geschrieben haben, erst mal eine kompetente Diagnose mit Angabe der Gradzahlen, um die Situation eingrenzen zu können.
Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde diese Diagnose vor knapp 4-5 Jahren mit Bestimmung der Gradzahl und Frontal/Seitlich Röntgen durchgeführt. Die Unterlagen und Befunde hierfür müssten noch bei meinem Orthopäden liegen. Theoretisch müßte es möglich sein diese anzufordern. Macht eine erneute Diagnose Sinn? Kann sich da so viel verändert haben?

Silas hat geschrieben:Darauf sieht man dann einerseite, wie stark Hyperkyphose und Hyperlordose wirklich sind und in welchem Umfang Schäden durch den M. Scheuermann vorhanden sind.
Ich kann mich noch an eine Aufnahme mit so leicht gerippten Wirbelknochen erinnern. Nicht schlimm, aber sichtbar. Mit diesen hat mir mein Arzt damals M. Scheuermann erklärt (und gemeint, dass er hauptsächlich Ruderer mit diesem Phänomen behandelt).

Toni hat geschrieben:Anhand der Bilder vermute ich mal, daß Dein Hauptproblem ist eine Hyperlordose der LWS und starke Verkürzungen (Beinrückseiten) bei schwacher Bauchmuskulatur. Viel geübt aber zu wenig gedehnt.
Die BWS-Kyphose ist vermutlich überwiegend kompensatorisch.
Ohne das jetzt mit Sicherheit sagen zu können, aber ich glaube genau das war die Diagnose. In der ersten Behandlung wurde nämlich versucht die Beine (Unterschenkel/Gesäßmuskel) zu dehnen und gleichzeitig die Bauchmuskeln zu stärken. Vereinzel kamen noch Übungen für obere/lange Rückenmuskeln und allgemeine Stabilität (Seitwärsdrehungen, usw.) hinzu.
Für all diese Übungen habe ich noch Illustrationen (habe mich damals selbst fotografiert + Instruktion festgehalten). Ich könnte damit das Training leicht wieder aufnehmen.

Toni hat geschrieben:Außerdem zeigt Dein Rückenbild von hinten ungleiche Schulterhöhen und ungleich-hohe Schulterblätter. Das könnte auch auf eine scheuermanntypische Begleit-Skoliose hindeuten.
Ich glaube hier an den Beckenschiefstand den auch schon meine Mutter hat (ohne M.Scheuermann). Diese Schiefe ist schon auf Bildern zu erkennen, als ich noch 8-10 Jahre alt war. Leider wurde damals nichts unternommen.

Toni hat geschrieben:Wie leider soooo Viele hättest Du schon vor Jahren in ein gutes Reklinations-Korsett gehört, dann wärest Du jetzt gesund und gerade.
Das Thema Korsett hatte ich kurz angesprochen, mein Arzt meinte jedoch dass a) die Haltung schon zu stark zementiert ist und b) das Korsett meinem Körper dann die Arbeit abnimmt. Er hat mir empfohlen lieber mit einem Korsett aus Muskeln zu arbeiten und dieses dann ein Leben lang "fit" zu halten. Klingt soweit für mich eigentlich noch plausibel. Was meint Ihr?

Klaus hat geschrieben:Es gibt im Forum einige User aus der Schweiz, Du solltest das in Deinem Profil eintragen, damit besser reagiert werden kann. Toni kann Dir sicherlich die Möglichkeit in Zürich nennen, ansonsten ist dann die Behandlung kostenmässig eine wohl schwierige Sache.
Werd ich machen. Habt Ihr diesbezüglich ansonsten Erfahrungswerte? Wie wird denn eine Therapie/REHA/Training/Korsett klassifiziert? Ich werde mich mal auf die Suche nach Leistungen diesbezüglich in der GKV machen. Falls die Kosten gänzlich nicht übernommen werden, dann ist wohl eh fraglich ob ich mir das leisten kann.

Toni hat geschrieben:Aber es ist NIE ZU SPÄT.
Klaus hat geschrieben:Grundsätzlich muss man aber sagen, dass man oft um eine stationäre REHA nicht herumkommt, weil es hier um spezielle Übungen geht, die sehr viel mit Körpergefühl zu tun haben, was man neu lernen muss und das ist nun mal mit viel Zeit und intensivem Kontakt mit Therapeuten verbunden.
Sollten hauptsächlich Verkürzungen der Rücken-Strukturen Ursache dafür sein, so können entsprechende Dehnübungen erfolgreich sein und das kann man sicherlich vor Ort durchführen.
Generell motivieren mich Eure Aussagen jetzt das Ganze zumindestens wieder anzupacken.

geplante Agenda:
1. Mit dem alten Minimalprogramm an REHA-Übungen vorerst wieder anfangen.
2. Befunde aus GER anfordern und/oder neue Diagnose in CH erstellen lassen (hier wäre ich über Hinweise/Tipps von Forenlesern aus CH überaus dankbar).
3. Abklären inwiefern Kosten für REHA/Korsett/Training, usw. in CH durch die GKV übernommen werden.
4. Zusammen mit dem Arzt (herausgefordert durch kritisches Feedback von Euch) eine Langzeitstrategie entwerfen.

Was haltet Ihr davon?

Beste Grüße,
scheuer_mann
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Klaus
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Re: M. Scheuermann + Beckenschiefstand > weiteres Vorgehen?

Beitrag von Klaus »

scheuer_mann hat geschrieben:Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde diese Diagnose vor knapp 4-5 Jahren mit Bestimmung der Gradzahl und Frontal/Seitlich Röntgen durchgeführt. Die Unterlagen und Befunde hierfür müssten noch bei meinem Orthopäden liegen. Theoretisch müßte es möglich sein diese anzufordern. Macht eine erneute Diagnose Sinn? Kann sich da so viel verändert haben?
Natürlich kann sich da einiges änderen. Insbesondere Dein Fitness Training kann, wie Du auch geschrieben hast, negative Folgen gehabt haben. Deshalb sind unbedingt aktuelle Röntgenaufnahmen notwendig!
Der Vergleich mit den alten Aufnahmen wäre natürlich interessant, weil so möglicherweise medizinisch eine Verschlimmerung dokumentiert werden könnte, die eine gezielte Behandlung mit Kostenübernahme erforderlich macht.
geplante Agenda:
1. Mit dem alten Minimalprogramm an REHA-Übungen vorerst wieder anfangen.
2. Befunde aus GER anfordern und/oder neue Diagnose in CH erstellen lassen (hier wäre ich über Hinweise/Tipps von Forenlesern aus CH überaus dankbar).
3. Abklären inwiefern Kosten für REHA/Korsett/Training, usw. in CH durch die GKV übernommen werden.
4. Zusammen mit dem Arzt (herausgefordert durch kritisches Feedback von Euch) eine Langzeitstrategie entwerfen.
zu 1. hört sich zumindest nicht schädlich an.
zu 2. wie schon gesagt, alte Befunde und neue Diagnose
zu 3. Vergleich der Aufnahmen könnte die Kostenübernahme evtl. begründen bzw. forcieren
zu 4. eine stationäre REHA nach Schroth anvisieren, hier im Forum intensiv über Erwachsenen Korsette recherchieren und die Wirkung korrigierender Korsette sozusagen in Eigenkompetenz verinnerlichen, um Gegenargumente beim Arzt zu haben. Der angebliche Muskelabbau in solchen Korsetten ist nämlich nicht zutreffend, andrerseits ist natürlich das eigene Muskelkorsett durch aktive Muskelpflege auch notwendig, um langfristig in eine stabile Lage zu kommen.
mein Arzt meinte jedoch dass a) die Haltung schon zu stark zementiert ist
Das ist bei einem Korsett nur relevant, wenn es sogenannte Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern geben sollte, die verhindern natürlich jede Korrektur.

Gruss
Klaus
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