Alfred hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Kroeger,
wir möchten Ihnen vorschlagen, erst am 7. oder 8. Februar zur Besprechung und ggf. zum Gipsabdruck für das Korsett von Dorothy zu uns zu kommen, 2-3 Wochen später zur Anprobe und Fertigstellung und ca. eine Woche nach Lieferung zur 1. Kontrolle und zum Röntgen mit Korsett.
Es ist besser, das Korsett erst im Verlauf der Kur herzustellen.
Mit freundlichen Grüßen
Rahmouni
Naja, das ist das, was Toni schon weitergegeben hatte.
Für diese Vorgehensweise gibt es auch Gründe, die hauptsächlich mit der Motivation zusammenhängen, aber auch damit, daß die Eingewöhnung für Patienten leichter ist, wenn sie schon Schroth können, weil sie dann besser in die Atemstellen hineinatmen können und sich besser dem Druck der Pelotten ausweichen können.
Das Problem in Sobernheim ist, daß die meisten Patienten auf das vertrauen, was ihnen vom leitenden Oberarzt Dr.Weiß dort empfohlen wird, und dementsprechend mit Korsetten herumlaufen, die, wie oben schon geschrieben, kaum oder garnicht korrigieren.
Die Patienten glauben natürlich, daß ihre Versorgung so optimal ist oder sind der Überzeugung, daß es ihnen ausreicht, wenn sie ihre Krümmung halten können, und deswegen kein stärker korrigierendes Korsett benötigen.
Daß sie damit aber ein ganz beträchtliches Risiko eingehen, daß die Skoliose noch schlechter wird und sie in die OP-Indikation hineinrutschen, ist den meisten garnicht bewußt.
Eine Korsettbehandlung mit minimal nötiger Korrektur um die Ausgangsgradzahl gerade halten zu können oder nur kleine Verschlechterungen in Kauf nehmen zu müssen, das ist etwas, was nicht steuerbar ist, eine totale Gradwanderung, wie Russisch Roulette, geht meistens schief.
Hinter dem ganzen steckt eine schlechte Philosophie der Klinikleitung, die nicht primär die optimale Behandlung des einzelnen Patienten vor sich sieht, sondern einfach nur an das Kollektiv (und wahrscheinlich den eigenen Geldbeutel).
Um an ein ordentliches Korsett zu kommen, muss man auch hier in Deutschland meist sehr weit fahren. Die Korsette die in Sobernheim verodnet werden (RSC) sind Fernanfertigungen, mit einem Computer anhand des Röntgenbildes und ein paar Körpermaßen erechnet und auf dieser Basis dann maschinell hergestellt. Ein Billigprodukt, mit dem man sehr viele Patienten erreichen kann, und das ganze ohne die Mühe, jeden Patienten einzeln aufzuklären und ihm zu vermitteln, daß es DEN Orthopädietechniker vor Ort leider nicht gibt, und sie schon weiter weg fahren müssen, um optimal versorgt zu werden.
Man kann sagen, daß die Klinikleitung in Bad Sobernheim den Bezug zum einzelnen Patienten verloren hat, eine Massenabfertigung durchzieht und nur noch Statistiken sieht.
Wie dem auch sei, die Unaufgeklärtheit und Naivität der meisten Korsett-Träger in Sobernheim und die "Pseudokorsette", die viele dort tragen, können je nach dem auch sehr viel Verunsicherung für die Patienten bedeuten, die eine reale Korsett-Therapie durchführen wollen.
Insbesondere, weil der Anfang mit einem richtigen Korsett natürlich nicht ganz so leicht ist, wie der mit einem anderen Korsett.
Was euren Fall betrifft, denke ich jedoch nicht, daß ihr das Risiko eingehen solltet, falls in der ersten Zeit ernsthafte Probleme mit dem Korsett auftreten, dann tausende Kilometer weit entfernt zu sein und nichts machen zu können.
Herrn Rahmounis Version ist meines Erachtens ein "Luxus", den ihr euch nicht leisten könnt, wenn ihr so weit wegwohnt.
Entscheidet selbst welche Variante ihr haben wollt und gebt Herrn Rahmouni dann einfach vor, wann ihr zum Gipsen kommen wollt und wann zum Korsettabholen bzw. in welcher Zeit er das Korsett anfertigen soll.
Das wird dann schon so gemacht, wie ihr das wollt; sofern es natürlich im Bereich des machbaren liegt.
Gruß,
BZebra