Ursache Geigenspiel?

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
Antworten
Hannimaus

Ursache Geigenspiel?

Beitrag von Hannimaus »

Hallo, ich hätte eine wichtige Frage:

Ich habe seit meinem 12. Lebensjahr eine Skoliose, die sich im Laufe der Jahre trotz Krankengymnastik sehr verschlechtert hat (vor kurzem hat sich herausgestellt 68 Grad im Hauptbogen, thorakolumbal). Es ist im Moment eine sehr schwierige Zeit für mich, da ich mit allen Unterlassungssünden der letzten Jahre konfrontiert werde, (die nicht unbedingt nur meine Schuld waren). Ich bin jetzt 19 Jahre alt, habe weder jemals ein Korsett getragen, noch eine stationäre Therapie gemacht.
Im Frühjahr ist meine erste Reha geplant. Dann wird sich auch herausstellen, ob eine Operation in meinem Fall sinnvolll ist und ich muss eine sehr schwierige Entscheidung treffen.
Aber darum geht es jetzt in dieser Frage nicht.

Ich studiere im 2. Jahr Musik, spiele seit meinem 6. Lebensjahr Violine. Nun scheint in Musikerkreisen die Annahme verbreitet zu sein, dass durch die einseitige Belastung beim Geigenspielen eine Skoliose entstehen kann. Eine Geige wiegt ca. 500g, zur Info. Bis vor 1,5 Jahren habe ich noch keine speziellen Übungen gemacht, die diese einseitige Haltung beim Geigenspielen ausgleichen.
Ich bin von dieser Theorie sehr schockiert, da ich bis zu meinem 15./16.Lebensjahr im Durchschnitt sicher nicht mehr als 1,5 Stunden täglich geübt habe, und auch oft gar nicht, wie ich ungern zugebe....
Und die Leute, die mehr als sechs Stunden täglich üben, müssten ja schon längst die ärgsten Beschwerden haben, oder? Ich glaube nicht, dass meine spezifische Geigenhaltung so viel ungesünder ist, als die aller anderen Geiger. Jedenfalls habe ich diesbezüglich noch kaum Kritik von meinen Lehrern gehört.
Könntet ihr mir sagen, was ihr darüber denkt?
Ich habe außerdem schreckliche Angst, dass ich irgendwann nicht mehr spielen kann, sei es durch eine OP oder durch die Unterlassung einer OP.
Ich kenne einen Cellisten, der auch eine Skoliose hatte, aber bei weitem nicht so stark wie ich und durch Abnützungserscheinungen und mangelnden Ausgleich mit 27 arge Bandscheibenprobleme bekam.

Danke und liebe Grüße
Benutzeravatar
Slackliner
aktives Mitglied
aktives Mitglied
Beiträge: 61
Registriert: Fr, 24.04.2009 - 23:15
Wohnort: Bayern

Beitrag von Slackliner »

Hallo Hannimaus!!

Ich studiere im 3. Semester Schulmusik in München mit Hauptfach Fagott. Ich habe einen relativ stark ausgeprägten Rundrücken und ähnliche Probleme damit wie du.

Ich bin auch immer am Grübeln ob mein Rundrücken durch das Fagottspielen ausgelöst wurde... Glaube ich aber nicht. Ich gaube eher, dass bestehende Rückenprobleme dadurch nur verschlimmert werden bzw. in meiner Kindheit verschlimmert wurden. Mein Rücken würde jetzt sicher anders aussehen, wenn ich nie Musik gemacht hätte, sondern jeden Tag im Schwimmverein verbracht hätte.

Be jemandem der gesund ist kann Geige spielen sicherlich keine Skoliose auslösen, egal wie viel er übt. Aber bei jemandem der eh damit zu kämpfen hat wirds dadurch sicher nicht besser.

Mach auf jeden Fall eine Reha in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen! Und informier dich gut über OP und Korsetttherapie!

Erkundige dich doch mal ob bei dir an der Hochschule Alexandertechnik angeboten wird. Ich fange damit jetzt an und hoffe, dass ich so meinen Rücken beim Fagottspielen ein wenig schützen kann.
Instrumentallehrer schauen nicht auf die Haltung, die kennen sich mit Wirbelsäulen nicht aus. Die sind zufrieden wenns gut klingt ; )

Viele Grüße,
Slackliner
Das Leben ist ein Witz, den nur ich begreif!
Lady S
Profi
Profi
Beiträge: 1598
Registriert: Mo, 10.06.2002 - 00:00
Geschlecht: weiblich
Diagnose: idiopathische Adoleszenzskoliose
2013: lumbal 64°, thorakal 56°, inzwischen vermutlich deutlich mehr.
Therapie: Seit 2003 Schroth-KG, 3 Rehas in Bad Salzungen.
Wohnort: Nähe Stuttgart

Beitrag von Lady S »

Hallo Hannimaus,
hast Du jemals KG nach Katharina Schroth gemacht?
Wenn es bei Deiner Reha "nur" um die Skoliose geht, dann achte auf jeden Fall darauf, dass sie in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen Seeklinik
stattfindet (wie schon Slackliner geschrieben hat).

Dort lernst Du in 3 oder 4 Wochen mehr über Deinen Körper und Deine Skoliose als Du Dir vorstellen kannst.
Das "Geigenproblem" könntest Du dort auch mit den Physiotherapeuten besprechen.

Grüsse. Lady S
(Übrigens mit 55° und Mitte 50 noch ohne Bandscheibenprobleme und Abnützungserscheinungen ;D
Lilarot
Gesperrter User
Gesperrter User
Beiträge: 178
Registriert: Fr, 21.08.2009 - 22:24

Beitrag von Lilarot »

also dass die skoliose vom geigenspielen gekommen ist, kann man ja schonmal sicher ausschließen. das wäre ja allgemeint bekannt, wenn alle leute, die geige spielen eine starke skoliose entwickeln.
schon gar nicht eine skoliose, in dem ausmaß, wie du sie hast.
das spielen andere faktoren eine rolle...
wie eben bei allen idiopathischen skoliosen ist die ursache nicht genau zu benennen. entsteht irgendwie im wachstum durch irgendwelche wachstumsvorgänge!

ob das geigenspielen jetzt zusätzlich noch gut oder eher schlecht für die skoliose ist, weiß ich nicht. sowas könnte schon sein...
Antworten